4 Kurzgeschichten. Mittwochs. Ein Zufall?

Das Glück kommt immer mittwochs

Gemütszustand: Zufrieden mit mir selbst und mit dem Rest der Welt, außer dass ich grade 7 mal hintereinander geniest habe

Abendbrot: Kaşarlı Pide und danach ein großes Efes im Fıstık

Plan für morgen: Wäsche waschen und Marketing-Präsentation vorbereiten

1. Geschichte: Blumen aus Deutschland. Mittwoch, 01. April 2009

Der erste April 2009 sollte ein ganz normaler Tag sein, ein Mittwoch. Mittwochs ist Uni- Tag, wie ihr wisst. Ich war also von morgens um zehn bis nachmittags um vier in der Uni. Abends stand eine Geburtstagsparty an, und zwar von Yasemin. Sie hatte am 01.04. Geburtstag und sollte abends natürlich auch gebührend gefeiert werden, Dafür organisierten ein paar Freunde eine Überraschungsparty für sie in der Wohnung der Tschechien. Gegen halb sechs fingen Lotte und ich an Pancakes in der Gemeinschaftsküche des Wohnheims für sie zu backen. Nachdem wir dann mit ein paar türkischen Mädels, die in derselben Küche ihr Abendbrot zubereitet hatten, Essen ausgetauscht haben, klopfte es auf einmal unerwartet an der Küchentür im vierten Stock.

Einer der eher unfreundlichen Security-Männer unseres Dorms tritt ein und fragt mit fiesem und etwas ärgerlichem Gesicht: „Candy!?“

„Ja“ sage ich, ängstlich, wie ich nun mal von Natur aus bin.

Er winkt mich raus, ich sollte mit runter kommen.

Nicht nur Lotte und ich, auch unsere Küchenkompagnons schauen uns fragend an. Nachdem er dann drei oder vier mal meinen Namen gesagt und mich aufgefordert hat, mitzukommen, sagte er auf einmal „Çiçekler“, was mir die Mädels dann natürlich ins englische mit “Flowers“ übersetzten. Jetzt schauten wir fünf uns noch fragender an und der letzte Pancake drohte in der Pfanne zu verbrennen. Natürlich konnte sich Lotte dieses Spekakel nicht entgehen lassen und so musste ich erst mal warten, bis sie alles in Sicherheit gebracht hatte, um mit mir zum Eingang zu kommen. Unten am Empfang angekommen, fiel mir nichts ungewöhnliches auf – viele Leute saßen am Empfang, einige standen davor, aber alle langweilten sich- bis ich den Boten mit einer wunderschönen Blume in der Hand sah. Er kam auf mich zu und sprach natürlich kein Wort Englisch, gab mir die Blumen und bat Die "Ich-vermiss-dich-Rose" auf meinem Schreibtischmich einen Zettel zu unterschreiben. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, konnte ich die Pracht dann erst mal bewundern – eine schöne, rote Rose mit einem kleinem Zettel, auf dem steht: „Ich vermiss dich soooooooooooo sehr, mein Engelchen!!!!!!!! ICH LIEBE DICH“. Eine Rose von meinem Freund aus Deutschland- einfach so, ohne dass irgendein Jubiläum ist (oder?), ohne Grund, nur weil er mich vermisst. Ist er nicht ein Guter? Danke noch mal. Und jetzt steht sie hier auf meinem Schreibtisch und jedes mal, wenn ich in meinem Zimmer bin, sehe ich sie.

2. Geschichte: Ein Auto versetzen. Irgendein Mittwoch davor

Ich erinnere mich nicht genau, welches Datum es war, aber ich weiß, es war ein Mittwoch, da Vici und ich morgens oder mittags (macht ja keinen Unterschied) zur Uni gefahren sind.

Wie meistens nehmen wir den Busshuttle vom Dorm direkt vor unser Fakultätsgebäude. Dieser Shuttle fährt nicht denselben Weg, wie alle anderen Busse hier, sondern eher die kleinen Straßen, damit er schnell auf der Hauptstraße ist – das war sein Verhängnis.

Die Busfahrer sind ja hier eh alle ein bisschen wagemutig und ich glaube, das müssen die hier auch sein, aber unserer ist, puhh, ein ganz schöner Raser. Nachdem wir die ersten 90-Grad-Kurven erfolgreich überstanden hatten und auch heile ohne großen Gegenverkehr voran gekommen sind, kam die letzte scharfe Rechtskurve vor der Hauptstraße. Er holte aus, da am rechten Straßenrand ein paar Autos parkten – er holte zu sehr aus: der Seitenspiegel kratzte an der Mauer links von uns, auch das Einklappen hilf nicht viel- der Spiegel schrapte, schrapte und schrapte bis es nicht mehr weiter ging. Kurzerhand stieg der Busfahrer dann nach zweiminütiger Denkpause aus und schaute sich das Schlamassel an: Links vom Bus die hohe Wand, rechts vom Bus die Autos.

Ganz selbstverständlich, als wenn´s das Normalste der Welt ist, kam er in den Bus zurück und rief irgendwas, mit „erkek arkadaşlar“, männliche Freunde. Ja, alle Jungs aus dem Bus stiegen aus, wussten auch genau, was zu tun ist, ohne auch nur Wort auszutauschen. Sie hoben ein Auto, was der Grund allen Übels war, mal eben einfach so bei Seite und stellten es einen Meter weiter nach rechts.

Sau lustig, sag ich euch. Ich hoffe, ihr könnt euch das vorstellen (und ich hoffe, ich hab nicht einmal links und rechts verwechselt, ich habe jetzt viermal über den Teil des Artikels gelesen, um sicherzustellen, dass dies nicht passiert ist), ich für meinen Teil habe an diesem Morgen Tränen gelacht!

 

3. Geschichte: Türkische Polizei. Auch ein Mittwoch!

Die Geschichte beginnt Freitag, den 03.04.2009. Lotte und ich waren auf dem Weg in den Innenhof des Dorms, um ein bisschen in der Sonne zu sitzen und zu lernen – es ist ja schließlich Midterm-Exam-Zeit! Naja, wir kamen nicht weit. Am Empfang wurde ich gerufen und mir wurde diese Karte vorgelegt Polizei- "Zettel"und gesagt: „Polis“- gut dachte ich-super! Jetzt musste hier auch noch ins Gefängnis! Mein erster Gedanke war – der Rakı in Vici und meinem Zimmer. Nun gut, nachdem ich versucht hatte die nicht-englischsprachigen Security Männer zu fragen, wieso, weshalb, warum, wann, wie oft und wo und so weiter, kam dann eine Frau aus dem Büro und sagte mir, dass sie nicht wissen, warum ich zur Polizei sollte, ich solle einfach nur hingehen – ok, dachte ich mir. So schlimm kann´s ja nicht sein, was ich verbrochen habe, denn sonst hätten sie dich ja hier schon abgeführt, anstatt dir so einen Wisch von Zettel zu hinterlassen.

Daher entschied ich mich dann, die Polizei erst am Mittwoch nach meinem ersten Exam aufzusuchen, um die verbleibende Zeit noch zum Lernen zu nutzen. Nachdem Vici dann ein oder zwei Tage später den gleichen Zettel bekam, stärkte sich meine Vermutung mit dem Rakı.

Mittwoch, den 08.04. sind wir dann also zur Polizei gegangen, hier bei uns in Buca. Erst einmal machten wir einen gaaaanz großen Fehler und gingen zu halb eins hin. Lunch-Time! Gut, machten wir also auch eine, hatten wir auch verdient nach unserer Prüfung, aber dazu später mehr. By the way, das war mein Mittag an diesem Tag: ein Tavuk- Döner (mit Pommes drin)Tavuk- Ekmek. Ok, nach einer halben Stunde warten, war dann unsere Frau endlich da – Nahide hanım. Nahide hanım ist eine überschminkte, hackenschuhetragende, dünnbeinige Frau, die kein Wort Englisch spricht – kein Wort! Nun gut, wir sollten ihr unsere Pässe geben, dabei sah sie unsere Residence-Permit, die sie dann auch gleich haben wollte. Sie nahm ein Blatt von ihrem Stapel, auf der einen Seite bedruckt, auf der anderen Seite standen eine Menge handschriftliche Notizen , halbierte diesen und schrieb irgendwas aus unseren Pässen ab, was eine gefühlte Ewigkeit dauerte, denn sie überlegte zwischenzeitlich mal irgendwas, um dann weiter zu schreiben. Nachdem sie fertig war, versuchte sie eine Konversation mit uns auf türkisch zu führen – sie war stur und gab nicht auf – die ersten 5 min., dann wurde es ihr glaub ich auch zu blöd. Sie lehnte sich in ihren dicken Stuhl zurück, warf unsere Zettel weg und sagte „Tamam, iyi günler.“

Das hieß, wir konnten gehen, aber natürlich, nicht bevor ich meinen einzigen Beweis wieder hatte, dass ich hier in der Türkei zur Polizei musste! Bis wir es hinbekommen haben, dass sie mir einfach nur meinen Zettel aus ihrem Papierkorb geben soll, vergangen noch einmal gefühlte 20 Minuten. Ja, aufregend, sag ich euch! Ich weiß also bis heute noch nicht, warum ich überhaupt hin sollte, nun ja, so ist das hier nun mal.

 

4. Geschichte: Bikini auf dem Balkon. War es ein Mittwoch?

Wie ich ja schon erwähnt hatte, gab es in den letzten zwei Wochen immer mal wieder Tage, an denen die Sonne geschienen hat – und was macht man da? Genau zum Strand fahren- ha! Aber nicht wenn man in Izmir, direkt am Meer gelegen, wohnt! Warum? Weil hier keine Strände in der Nähe sind, unglaublich, oder?

Nun gut, dann muss halt ein Ersatzplan her – sonnen in Balkonien, wahlweise im Dorm oder auf dem tollen Balkon der Tschechen-Wohnung.

Das Sonnen auf unserem Balkon im Dorm hatte ein schnelles Ende, nachdem Vici einen Tag in der vorletzten Woche in ihrem Bikinioberteil und Boxershorts die Sonne auf dem Balkon genoss: der Manager klopfte mit Übersetzer-Verstärkung an unsere Tür und meinte, dass Vici ja ruhig ihren Bikini tragen kann, aber doch bitte nicht draußen, nur in ihrem Zimmer. Es sei doch auch ein Jungswohnheim genau gegenüber unserem Balkon, dass könnte sie doch nicht verantworten, das seien doch noch Kinder.

OK! Puuhhh, schwere Kost, aber wir sind hier halt nicht in Berlin oder Brandenburg, he? Wo sich die Kerle mit nem Bier ans Fenster setzten würden, um sie zu beobachten.

Katka und mich hat es an den schönen Tagen immer auf den Balkon von JJ und Ondra verschlagen- ein riesiger Balkon, auf dem den ganzen Tag die Sonne scheint und man herrlich braun werden kann. Ja, so verbrachten wir ein paar Tage auf dem Balkon, bis Dienstag die Nachbarn an die Tür klopften und die Bitte äußerten, dass doch keine Mädchen in Bikinis auf dem Balkon liegen sollen, das könne man doch nicht machen. Keine Beschwerden über Lärm, bei einer unserer zahlreichen Balkon-Feiern, keine Beschwerden über Zigarettenkippen vor der Tür, NEIN! Beschwerden über hübsche Mädchen, die die wichtigsten Körperstellen bedecken.

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2 Gedanken zu “4 Kurzgeschichten. Mittwochs. Ein Zufall?

  1. 😀 Du wirst lachen, aber ich hatte in meinem Dorm ein ähnliches Problem… wir hatten auch einen Block voller Mädchen gegenüber, die nur darauf warteten durch den Anblick meines (fast) nackten Körpers auf total durcheinander gebracht zu werden… Das geht nur in so sündigen Ländern wie Brandenburg. 🙂 LG nach Izmir

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