Die letzten Tage in Izmir – traurig?

Sonnenuntergang in Izmir

Mit der Wiederkehr aus Kappadokien waren es nur noch 18 Tage bis zur Abreise. Das ist nichts, wenn man bedenkt, wie die Zeit hier vergeht. Montag und Dienstag passierte nichts Spannendes, denn lernen war angesagt.

Für unsere Marketing-Prüfung mussten wir den zweiten Teil unseres 600-Seiten Buches lesen und für die International-Hotelmanagement-Prüfung sechs Präsentationen lernen. Eigentlich ist die Marketing-Prüfung erst am 19. Juni, welche wir dann nicht mitschreiben könnten, da unser Flug schon am 18. geht. Nach ein paar Mails mit dem Prof und einem Gespräch mit Nihal, unserer Koordinatorin, wussten wir zwar, dass wir diese früher schreiben konnten, aber mehr nicht. Dienstagabend gingen wir dann zu unserer letzten Marketing Vorlesung und der Prof eröffnete uns, dass wir ein „Take-Home-Exam“ von ihm bekommen werden. Den ganzen Dienstag hab ich dann also umsonst mit lesen verbracht.

Am Mittwoch verschoben wir unserer PR-Prüfung vom 18. Auf den 10. Juni, da wir ja an unserem letzten Tag keine Prüfung schreiben können. Außerdem gab die Professorin uns schon die halbe Klausur: eine Pressemitteilung über ein bestimmtes Event schreiben. Unsere zweite Vorlesung fiel mal wieder aus, da, ja da mal wieder eine Konferenz oder so was Ähnliches war.

Der Bürgermeister von Izmir war in die Hochschule gekommen und hielt eine Rede. War schon aufregend, denn es ergaben sich ein paar Tumulte vor dem Konferenzsaal, die Uni war voll mit Sicherheitsleuten und vor der Uni demonstrierten ein paar Leute. Ich weiß bis heute nicht, warum es Tumulte gab und gegen was die Demonstration war.

Donnerstag ging´s dann nach Kemeraltı: Souvenirshoppen und diesmal für mich. Ich hab auf Anhieb alles bekommen, was auf meiner Einkaufsliste stand und noch ein bisschen mehr. Nach fünf Stunden Kemeraltı verließen wir diesen überdimensionalen Basar – das letzte Mal, wie sich noch herausstellen sollte. Mit Kemeraltı fing es an – das erste Mal, das letzte Mal.

Am Abend trafen wir uns dann in der Wohnung der Tschechen, um die letzten der 15 Bolognese-Tüten zu verbrauchen und um unsere Laptop-Party zu starten: Bilder der letzten vier Monate austauschen. Eigentlich wollten wir das erst am vorletzten Tag machen, doch Katka, die Arme, die mit Nierenentzündung im Bett lag, hat sich so gelangweilt, dass wir das vorgezogen haben.

Auch Freitag gab es wieder ein letztes Mal: das letzte Mal Türkischkurs – mit Exam. Wir sollten über unsere Zeit in Izmir und unsere Ausflüge schreiben – naja, wird schon. Der Tag endete mit einem kleinen Trip nach Bornova, einem Studentenviertel Izmirs, der eine gute Busstunde von Buca entfernt ist. Nach einem Dinner in der wirklich belebten Café- Straße, in der  jedes Café wirklich voll war, setzten wir uns mit Rana in einen Park, quatschten, tranken ein paar Bier und nahmen den letzten Bus wieder nach Hause.

Samstag stand Aquapark in Kuşadası auf dem Plan. Wir buchten im Reisebüro eine Kompletttour für einen Tag: Bustransfer hin- und zurück und den Eintritt in den Aquapark für 20 Lira.

Morgens um halb neun ging´s los und abends um acht waren wir in Buca. Der Aquapark an sich war schön, viele Rutschen, Strand und perfektes Wetter! Leider haben sich viele von uns ein paar Verletzungen auf den Rutschen zugezogen – ich hatte danach auf meiner rechten Arschbacke einen blauen Fleck, der so groß war, wie meine Handfläche.

Abends erreichte mich dann auch endlich die freudige Nachricht, dass die Zwillinge, Pascal und Colin, meiner Steffi das Licht der Welt erblickten. Nach einem Dinner im Soupplace, was schon unser drittes Zuhause war, ging es dann ins Wohnheim. Dort packte mich dann ein wenig das Heimweh, fragt mich nicht warum. Ich hatte nie zuvor Heimweh, so Richtiges, weder in Izmir, noch die 23 Jahre davor. Ich weiß auch nicht, warum es kam. Ich vermute, es war eine Mischung aus allen Umständen, wie das nun mal immer so ist – der Rückkehrtermin stand fest, wir hatten nichts Großes mehr geplant, Steffi lag im Krankenhaus und rief mich an, um mir die freudige Nachricht noch mal persönlich mitzuteilen, ich hatte schon Tage zuvor Sehnsucht nach zu Hause – so was halt. Also schaute ich einfach mal ins Netz, was denn Flüge nach Berlin jetzt so kosten und dann war dort ein Flug für den 11. Juni im Angebot für 50 €, den ich dann auch buchte.

Ich war zuerst ein bisschen skeptisch, ob das so eine gute Idee war, vielleicht würde ich es am nächsten Tag bereuen, aber ich war froh, dass ich den Flug gebucht habe.

Sonntagvormittag schrieb ich mein Marketing-Examen, suchte am Nachmittag zusammen mit Lotte nach Geschenken und traf mich am Abend mit den Tschechen im Park, um ihnen die Neuigkeiten mitzuteilen. Sie waren nicht glücklich darüber, aber verstanden es. Außerdem sparte ich mit diesem Flug ja auch noch Geld. Wäre ich am 18. geflogen, hätte ich das Wohnheim noch bis zum Ende des Monats bezahlen müssen, so konnte ich am 10. zu den Tschechen gehen und bekam 200 Lira vom Wohnheim wieder.

Montag gab es dann schon wieder ein letztes Mal: ein letztes Monday-Dinner auf dem Balkon der Tschechen. Gaia kochte für uns Pasta Carbonara. Den Vormittag verbrachte ich mit dem Versuch International Hotelmanagement zu lernen. Und die Reihe der letzten Male schrieb sich fort:

Dienstag, das letzte Mal Çeşme, das letzte Mal Altinkum-Strand, das letzte Mal Pırlanta-Strand. Was soll ich sagen? Ich auf der einen Seite froh dort zu sein, auf der anderen Seite tottraurig, dass es das letzte Mal war. Eigentlich hätte ich ja lernen müssen, aber Ondra, Katka und Steffi waren auf mich angewiesen. Ohne mich hätten sie nicht fahren können, da es zu Dritt zu teuer wird, so konnte ich gar nicht anders und mitfahren, außerdem war es mein vorvorletzter Tag. So trafen wir uns morgens, um ein Auto zu mieten und kamen gegen halb elf in Çeşme am Altınkum-Strand an und verbrachten dort ein paar schöne Stunden:

Altınkum- Strand

Altınkum- Strand

Altınkum- Strand

Gegen drei wechselten wir dann zum Pırlanta-Strand. Als wir zum Auto Reifenwechsel am Pırlanta- Strandkamen, sahen wir, dass der linke Vorderreifen unseres Autos einen Platten hatte. Wir fuhren also zum Pırlanta-Strand, um zu sehen, ob wir noch zur nächsten Tankstelle kommen, aber nichts da, der Reifen musste gewechselt werden. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten machte Ondra das aber sehr souverän. Dieser Tag endete mal wieder mit einem Dinner im Souplace und damit, dass wir Dormgirls unsere großen Koffer schon mal Ondra mitgaben, da er das Auto ja noch bis zum nächsten Morgen hatte.

Pırlanta- Strand

Vici und mein Morgen startet sehr früh – wir nahmen den Bus um neun, da unsere erste Prüfung – International Hotelmanagement – um zehn anfing. In der Uni angekommen stellte sich jedoch heraus, dass wir uns geirrt hatten, die Prüfung war zwar glücklicherweise am selben Tag, jedoch erst um elf. So vertrieben wir uns noch eineinhalb Stunden die Zeit und traten Punkt elf unsere Prüfung an- Multiple Choice- genau wie beim letzten Mal: ich lass es euch wissen. Ich hatte ja nun wirklich nicht viel gelernt, aber immer noch mehr, wie unsere türkischen Mitstudenten. Nach einer dreiviertel Stunde war ich, nach einer Stunde dann auch Vici fertig. Um eins sollte erst unsere zweite Prüfung- PR in Tourism- los gehen. Da wir beide aber die einzig(st)en waren, die die an diesem Tag schrieben, sind wir einfach mal schon halb eins in das Büro der Professorin gegangen und konnten dann auch schon anfangen. Wie erwähnt bestand die Klausur aus dem Verfassen einer Pressemitteilung. Ich hatte das Thema, dass ein Hotel sein Innen-Umzug zu den Tschechen und Außenbereich umgestaltet hat, Vici schrieb eine Mitteilung über die Eröffnung eines Restaurants.

Nach den Prüfungen stand unser Umzug zu den Tschechen an- die letzten Sachen packen und die Formalitäten im Wohnheim klären. Gegen fünf kamen wir vier dann alle geschafft von der Sonne, den Hügeln und dem Sachen schleppen in der Wohnung an. Der Abend endete mit einer Tequila-Party. Leider konnte ich mich nur an Wasser und Suppe halten, da mein Magen- Darm-Trakt die letzten Tage in Izmir völlig streikte. An diesem Abend gab es dann auch eine Revanche zwischen Ondra und Lotte: eine Wette, deren Wetteinsatz sich um Haare abschneiden drehte: Lotte verlor, das arme Stück.

Tequila- Party auf dem Balkon

Und dann war es soweit, der letzte Tag, das letzte Mal aufstehen, das letzte Mal Izmir, das letzte Mal unsere tolle Truppe erleben.

Und hier die bildliche, chronologische Zusammenfassung der Tage vom 1. Juni bis 10. Juni 2009:

Advertisements

Was meinst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s