Ich kündige – und dann? Oder doch nicht?

Ich kündige! Oder doch nicht?

Es muss sich etwas ändern, das habe ich nun schon öfters geschrieben. Ich will raus. Doch ich bin weder in meinem Alltags- noch in meinem Urlaubstrott dazu gekommen, mir ernsthaft Gedanken zu machen, daher habe ich folgendes getan:

Ich habe Handy, Tablet, E-Book-Reader und alles andere, was mich ablenkt, mal zu Hause gelassen, mich in ein Café in die Sonne gesetzt, Hirn angeschaltet und Notizblock plus Stift gezückt. Ich habe die gute alte Pro- und Kontraliste-Methode angewandt. Alt, aber gut. Habe alle möglichen Optionen aufgeschrieben und wie wild gestrichen und priorisiert. Heraus kam ein ansehnlicher Plan, den ich hier nun ungekürzt und ohne etwas zu löschen oder dazu zu schreiben abtippe, auch wenn ich in der Zwischenzeit noch das ein oder andere ergänzen würde.

Meine Gedanken kreisen um einen Obergedanken: während meines 30. Geburtstags will ich auf einer Reise sein, auf einer langen Reise, die Welt erobern.

Warum ich das aufschreibe? Weil ich denke, dass dieser Schritt sehr hart ist, es mir psychische Erleichterung verschafft mal alles in die Welt raus hauen zu können. Wie vielen geht es mir nämlich auch so, dass die meisten bei meinen Gedanken nur den Kopf schütteln.

Kündigung und ab in die Welt?

Pro:

  • ich möchte einfach nicht mehr für meine Firma arbeiten
  • möchte etwas „sinnvolles“ tun
  • möchte die Welt sehen und Erfahrungen sammeln
  • bin bald 30 -> Traum erfüllen
  • wenn nicht jetzt, wann dann?
  • Gleichgesinnte kennenlernen und vielleicht den Traummann?
  • irgendwas kommt immer (ein Zitat einer tollen Reisebekanntschaft)
  • glücklich sein, das machen, was ich will
  • Stolz, Genugtuung -> sind das Argumente?

Kontra:

  • sicherer Job
  • Meine tollen Kollegen
  • Geld, Rente, Versicherung
  • Gesellschaftliche Anerkennung
  • unsicheres Gefühl wieder einen so einen chilligen Job zu meinen Konditionen zu finden
  • Antwort auf „Was soll ich danach tun?“ nicht beantwortet

Was kommt nach der Kündigung?

Option A: nur Reisen

  • was ist mit meinem WG-Zimmer?
  • wie lang reicht mein Geld?
  • wenn ich 1.000€ im Monat ausgebe, also 33€ am Tag, kann ich 10 Monate reisen – und dann?

Option B: workaway

  • was ist mit meinem WG-Zimmer?
  • wie lang reicht mein Geld?
  • wenn ich 1.000€ im Monat ausgebe, also 33€ am Tag, kann ich 10 Monate reisen – und dann?
  • ich kann mit workaway länger reisen
  • ich kann mehr Erfahrungen mit Einheimischen machen
  • ich bin an meinen Host gebunden
  • ich muss einen Bewerbungsprozess durchlaufen
  • ich muss eine Anmeldegebühr zahlen
  • wohin will ich eigentlich?

Option C: Job im Ausland suchen

  • ich bin wieder voll gebunden
  • Bewerbungsprozess

Option D: einen anderen Job in Deutschland

  • nein

Option E: European Voluntary Service

  • Bezahlung -> kann länger im Ausland bleiben
  • gebunden
  • Bewerbungsprozess
  • mehr gebunden als bei workaway

Als ich so alles aufschrieb, die Kontraliste der Kündigung, Option C und Option D gestrichen habe, kam mir dieser Gedankenfluss: was, wenn du nach ein paar Monaten merkst, dass es doch nichts für dich ist, dass du das alles gar nicht wolltest, sondern nur mal raus musstest und dich nach deinem Leben in Hamburg sehnst? Was machst du dann? Andere bekommen es doch auch hin ihr Fernweh mit einem Vollzeit-Bürojob zu verknüpfen. Wie kriegen die das hin? Unbezahlter Urlaub? Sabbatical? Hmm, will ich das? Kann das nicht auch ein Anfang sein? Würden mir 6 Monate reisen nicht erst einmal ausreichen? Einfach um zu schauen, ob es was für mich ist? Ob es DAS für mich ist? So entstand das Geschreibsel zwischen pro und kontra einer Kündigung:

Auch ohne Kündigung ab in die Welt?

  • Ausprobieren, ob Reisen etwas für mich ist
  • hat ein Ende
  • danach trotzdem wieder in die Firma
  • Geld würde auf jeden Fall reichen
  • bin ich zu stolz darum zu bitten?
  • ich kann immer noch kündigen, wenn mein Chef nein sagt
  • mein Chef würde nicht allzu böse werden, falls ich doch mal zurück möchte

So entwuselten sich die Millionen Gedanken langsam in meinem Kopf. Gefühlte 897 Kaffee später hatte ich einen Plan, die Sonne war auch schon längst untergegangen und ich konnte zum Bier übergehen:

Schritt 1: nach 6 Monate Auszeit fragen

Schritt 2: wenn keine Auszeit, dann Kündigung

Schritt 3: workawayers probieren, wenn das nicht klappt, dann EVS

Schritt 4: Das „und dann“ wird sich ergeben

Schritt 5: LOS!!!

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7 Gedanken zu “Ich kündige – und dann? Oder doch nicht?

  1. Beim Lesen deines Beitrags hab ich auch gleich an ‚Sabbatical‘ gedacht, dann gibst du nicht gleich ALLES hier auf. Ich hätte aber noch eine Idee für dich, was du während deines ‚Sabbaticals‘ machen könntest. Fast alle amerikanischen Reedereien suchen immer ‚International Hosts‘, die während der Saison für ca. 4 – 6 Monate die internationalen Gäste betreuen. Dabei sieht man auch immer sehr viel von der Welt 😉! Schau einfach mal auf den Homepages von Royal Caribbean International, Norwegian Cruise Line oder Princess Cruises. Vielleicht was für dich?

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  2. Ich wünsch dir viel Erfolg bei deiner Umsetzung! Ich würde dann gerne wissen, wie dein Chef reagiert hat! 😉
    Das gleiche denke ich mir auch ganz oft! Ich möcht so gern mal wieder für längere Zeit ins Ausland… Ich sollte mir auch so eine Pro- und Kontra Liste machen, danke für die Motivation! 👍

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