Haste mal n´ Euro? #Psychofaktor

Kopenhagen Käsekuchen

Bericht Nummer 4 der Geld-Spar-Reihe dreht sich um die Psyche. Nun stellt sich die Frage: Was hat die Psyche mit Geld sparen zu tun? Eine Menge, eine ganze Menge sogar! Manchen schießt jetzt vielleicht nicht diese Frage durch den Kopf, sondern ob meine Psyche noch ordentlich funktioniert. Ja. Lass mich erklären.

Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass mit der richtigen Einstellung ein Geld-Spar-Projekt überhaupt erst möglich ist. Es beginnt mit einem Ziel: ein Urlaub, eine bestimmte Tasche, eine neue Couch. Auch ein bestimmtes Gefühl kann den Ausschlag geben: ich möchte sicher stellen, dass ich im Alter abgesichert bin, dass es meinen Kindern finanziell gut geht, dass sie eine nette Einschulungsfeier haben, was auch immer. Es gibt Millionen Gründe mit dem Sparen anzufangen.

Wie spare ich mit Hilfe des Psychofaktors?

Diese Frage hört sich dämlich an, aber ich wusste es nicht besser zu formulieren. Alles andere wäre zu weit hergeholt und nicht treffend. Und je länger ich mir den blinkenden Cursor hinter dem Fragezeichen anschaue, umso weniger dämlich finde ich sie.

Es geht bei dem Psychofaktor eigentlich nur darum, sich selbst zu kennen, ein wenig auszutricksen und einige Regeln aufzustellen.

Los geht´s schon mal mit dem Ziel. Wenn man etwas wirklich möchte und ich rede jetzt von dem wirklichen Wollen, dem echten, nicht dem wäre-schön-wenn-Wollen, dann hat man schon eine dicke, grüne Hürde überwunden. Alles geht viel einfacher, man trauert dem nicht gekauften Coffe to go nicht nach, sondern sagt sich bspw. in meinem Fall: Mensch, für das Geld kann ich mir in ein paar Monaten ein leckeres und üppiges Abendbrot auf dem Nachtmarkt in Thailand gönnen. Man trauert auch der nicht gekauften Tasche nicht nach, die hätte man eh nicht mit auf Reisen nehmen können. Das hilft die selbst auferlegten Regeln auch (fast immer) einzuhalten. Versprochen! Man weiß in jedem Moment des Verzichts wofür man es macht und dann kommt einem der Verzicht auch gar nicht mehr als solcher vor. Man hat auch weniger das Bedürfnis nach Konsum. Klingt komisch, ist aber so.

Als ich beschloss für eine große Reise zu sparen, wusste ich im ersten Moment nicht mal, an was ich sparen sollte. Ich habe kein Auto, kein Boot oder Hubschrauber, die Benzin und Steuern brauchen. Noch habe ich teure Fitnessclub-Mitgliedschaften oder andere Abos, gehe nicht jeden Monat zum Starfriseur oder kaufe Markenklamotten.

Das einzige, was ich mir immer gönn(t)e, ist das Leben in vollen Zügen: hier mal ein Konzert, da Essen gehen, auf das Festival will ich, den Film will ich im Kino sehen, das Tattoo muss jetzt gestochen werden, der Kaffee bei Starbucks schmeckt mir am besten, dieser Rock ist wunder-, wunderschön und noch wunder-, wunderteurer, was kostet die Welt?

Man muss sich erst einmal bewusst werden, für was man sein Geld ausgibt. Ich wusste es wirklich nicht, abgesehen von Miete und dem ganzen anderen Wohnungsgedöns. Und ich verwette meinen Allerwertesten, dass es vielen da auch nicht anders geht. Ich habe mir daher eine App besorgt. Richtig gelesen: eine App. Es gibt zahlreiche Apps, die wie ein Haushaltsbuch funktionieren. Man notiert sich alle Ausgaben, alle Einnahmen und nach einem bestimmten Zeitraum kann man mal Bilanz ziehen. Einfach mal im App Store nach Haushaltsbuch suchen. Ich habe die „Mehr vom Geld Haushaltsbuch“ App und bin damit voll zufrieden. Da ich nun wirklich keinen blassen Schimmer über meinen Ausgaben hatte, habe ich wirklich alles aufgeschrieben, vom Einkauf bei Rewe über den Tabak im Kiosk bis hin zur Spende an den Straßenmusiker und die Hinz und Kunzt Verkäuferin.

So konnte ich schon nach 1-2 Wochen in meiner Bilanz sehen, dass ich verhältnismäßig viel Geld für den Kaffee unterwegs ausgebe. Ich habe gesehen, dass sich die klitzekleinen Ausgaben am Kiosk, in der Bäckerei, in der Eisdiele, etc. auf den Monat gesehen schon zu einer stattlichen Summe hochrechnen. Im Grunde wusste ich das schon vorher, aber wenn man es dann sieht, so schwarz auf weiß, mit echten Zahlen untermauert, bleibt´s doch mehr hängen. Mir ging dann durch den Kopf, dass ich für die Hälfte dieser Summe irgendwo auf der Welt einige 100 Kilometer mit dem Bus fahren könnte. Und das meine ich mit Psyche und sich austricksen. Natürlich weiß jeder von uns, wie man spart und was nicht unbedingt nötig gewesen wäre zu kaufen. Sieht man dann am Monatsende die dicke Summe, kommt die Vernunft und zeigt dir nen Vogel, fragt, ob es dir noch gut geht und glaube mir, die Summe ist im nächsten Monat nicht mehr so hoch. Nach 2 Monaten habe ich damit aufgehört, denn dann wusste ich, woran es möglicherweise liegen könnte, dass ich nie was gespart habe.

Eine andere Angewohnheit, die ich geändert habe, betrifft die Zahlart. Noch vor einigen Monaten habe ich jedes kleine bisschen mit Karte bezahlt, ich hatte fast nie Bargeld bei mir. Wenn ich dann mal ein Eis bar bezahlen sollte, musste ich manchmal schon die Centstücke zusammenkratzen, damit´s was wird. Klar, man hat gerade mit Kartenzahlung einen Überblick über seine Ausgaben, wenn man sich die Kontoauszüge anschaut. Aber mal ganz ehrlich: macht das einer? Grob überfliegen schon, aber schauen, was hat man so wann für was ausgegeben? Nee. Ich bin dazu übergegangen mir eine bestimmte Summe in der Woche bar zur Verfügung zu stellen. Und wenn man dann sieht, wie es mit der Zeit weniger wird, wie schnell mal so ein Zwanni weg ist, sensibilisiert das zusätzlich. Hatte ich gestern nicht noch nen Fuffi? Da sind nur noch 2 Zwannis im Portmonee. Ach, stimmt, ich war noch beim Rewe. Mit Kartenzahlung wäre ich im Traum nicht darauf gekommen darüber nachzudenken.

Ein kleiner Schritt, mit großer Effektivität, ist auch das Eröffnen eines separaten Sparkontos. Auf dieses Konto kommt nur Gespartes rauf und es geht nichts ab. Zum einen hat es den Vorteil, dass man ganz genau sieht wie viel man spart und es motiviert zu sehen, wie es wächst! Versprochen! Motivation pur! Gerade Reisende empfehlen immer ein Konto bei der DKB, ich persönlich bin bei der Comdirect. Dort bekommt man ein Tagesgeldkonto + Girokonto + Visakarte kostenlos und meist noch 75€ bis 150€ Neukundenbonus und kann weltweit kostenlos Bargeld am Automaten abholen.

Damit im Zusammenhang steht der nächste Psychotrick, um Geld zu sparen: An dem Tag, an dem mein Gehalt kommt, geht ein großer Teil davon gleich auf mein Sparkonto. Ich habe einen Dauerauftrag eingerichtet, damit ich das nicht jeden Monat manuell machen und dran denken muss. So trickst man sich wieder ein bisschen aus, denn das Konto sieht nicht mehr ganz so gut aus, wie sonst am Zahltag. Man macht sich schon zum Monatsanfang mehr Gedanken um die Ausgaben und nicht erst in der Mitte bzw. am Ende. Die Summe darf ruhig großzügig kalkuliert sein. Sollte es am Monatsende doch mal eng werden, so überweist man einfach die fehlende Summe zurück. Kommt man auch ohne zurück überweisen klar, ist man stolz wie Bolle und motiviert sich damit weider ein wenig mehr. Derart simpel der Trick, aber so unverschämt hilfreich. Ich hab´s getestet und für gut befunden. Versprochen!

Wenn ich eine Klamotte total toll finde, stelle ich mir innerlich Fragen wie: „Wie oft würdest du es anziehen?“, „Kannst du es gut mit dem kombinieren, was du schon hast?“ oder „Brauchst du es wirklich oder willst du es nun einfach haben?“. Ich kaufe bewusster, lasse mir bei meinen Entscheidungen mehr Zeit, lasse den vollen Warenkorb bei Amazon einfach mal über Nacht voll. Das hilft meist schon, um im Laden wieder alles an seinen Platz zu bringen bzw. den Warenkorb am nächsten Morgen zu löschen. Ok, gut, es klappt nicht immer. ABER: da habe ich auch gleich den nächsten Psychotrick: wenn ich mir neue Klamotten gekauft habe, lasse ich sie so, wie ich sie aus dem Laden mitgenommen habe, schneide also die Preisschilder nicht ab, lass die kratzenden Schilder drin, packe sie original so in meinen Schrank und schmeiße den Bon in eine Bon-Sammel-Box. Sollte ich innerhalb der nächsten 14 Tage ein Gefühl der Reue verspüren, bringe ich es einfach wieder zurück. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel zurückgegeben, wie in den letzten 4 Monaten. Auch wieder so ein simpler Trick. Aber liebe Mädels, und auch Jungs, wenn ihr mal wieder einen Fraustkauf getätigt habt, euch für etwas belohnen wolltet, ihr Langeweile hattet oder das Lichtkonzept im Laden einfach zu gut war – wie oft wolltet ihr nicht schon was zurückbringen, konntet es aber nicht, weil ihr den Bon nicht mehr hattet, die Schilder schon abgeschnitten waren oder ähnliches? Ganz ehrlich!?

Eine letzte Psychoregel habe ich mir für Kosmetika  (inkl. Schampoo, Seife, Parfum, Haarspray, Creme, usw.) und Putzmittel auferlegt: Erst neu kaufen, wenn alles andere aufgebraucht ist. Wozu zum Teufel brauche ich drei verschiedene Sorten Duschbad? Ist nicht auch eine Bodylotion völlig ausreichend? Auch wenn man sich mal vergriffen hat: Augen zu und durch, war im Zweifelsfall auch teurer Kram.

Kopenhagen Käsekuchen

Kopenhagen Käsekuchen

Natürlich kann man nicht auf alles verzichten, soll man auch nicht. Man muss ja auch noch leben, es soll schon Spaß machen zu sparen. Das tut es natürlich nicht, verbietet man sich alles. Wenn ich total Lust auf Kuchen habe, dann hole ich mir den auch, nur mache ich das nicht jeden Tag und genieße ihn daher auch viel mehr. Wie kann man überhaupt ohne Kuchen leben? Genauso sieht´s beim Dürum, einer Pizza, einem Eis, Konzerten, etc. aus: in Maßen.

Gespart: 150€ pro Monat = 1.800€ pro Jahr

(plus: du lernst eine Menge über dich selbst)

 

Wie man noch sparen kann?

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