Crikvenica – ein Ort zum Fürchten?

Kroatien - Crikvenica

Crikvenica – die Aussprache ist vielleicht zum Fürchten, zumindest für mich, die der kroatischen Sprache nicht mächtig ist. Aber der Ort an sich? Eigentlich nicht, eigentlich! Ich werde an Crikvenica trotzdem  immer mit ein wenig imaginärem Pipi in der Hose denken müssen.

Was war passiert?

An einem wunderschön sonnigen und heißen Vormittag zog es mich von Rijeka weiter Richtung Süden, der kroatischen Küste entlang. Next Stop: Crikvenica. Warum wollte ich dahin? Ich sah den Ort auf der Karte und zack wollte ich hin, ganz einfach. Gesagt, getan. Nach nur 1 Stunde im Bus, wieder einmal mit tollstem Ausblick, kam ich am Busbahnhof an. Es war noch früh, gegen 10.30h, die Sonne brannte und das Temperaturmessgerät zeigte schon an die 30 Grad. Ich wusste aus meiner 10 minütigen Internetrecherche am Vorabend, dass es in Crikvenica nicht sooooo viel zu sehen gab, aber das ist auch mal gut so, dachte ich mir, mal das kroatische Leben, abseits vom Rummel und Tourismus kennenlernen. So stieg ich vergnügt aus dem Bus und das erste, was ich sah, waren zahlreiche Touristen, die sich in den noch zahlreicheren Geschäften aufhielten. Nun gut, das nächste Mal dann bitte 15 Minuten Recherche!

Kroatien - Crikvenica

Kroatien – Crikvenica

Es war heiß, ich wollte meinen Backpack los werden, also machte ich mich auf die Suche nach meinem Hostel. Ich musste nur eine größere Straße hinauf gehen, bis ich es finden würde. So lief ich frohen Mutes los. Nach 10 Minuten fing ich an die Häuser nach Schildern abzuscannen, die auf ein Hostel schließen lassen. Hmm, nichts. Nach 20 Minuten war ich schon fast wieder aus dem Ort raus. Na, dann musst du wohl falsch abgebogen sein, dachte ich mir, obwohl ich eigentlich nur hätte geradeaus gehen müssen. Gut, umgedreht und Handy gezückt, ein Hoch auf Maps.Me! Laut GPS müsste ich genau vor dem Haus stehen, die Adresse ist auf jeden Fall die des Hostels, aber kein Schild. Ich frage die Leute, die ein paar Schritte weiter vor einer Bar sitzen, die in netter Kroatenmanier nur mit dem Finger in die Richtung zeigen, aus der ich gerade kam, ohne ein Wort zu sagen. Gut, ´hvar´, dankte ich und drehte wieder um. Wie bestellt und nicht abgeholt stand ich wieder vor demselben Haus wie vor 3 Minuten. Ich ging in das Eisenwarenfachgeschäft, welches neben der Hosteladresse war und fragte nach dem Hostel Crikvenica. Wieder bekam ich nur einen Fingerzeig, dieses Mal nach oben, hvar! Neben dem Eisenwarenfachgeschäft ging es in einen kleinen Hinterhof, von dem noch einmal 4 Häuser abgingen. Ich probierte alle, nirgends auch nur ein Hinweis auf ein Hostel. Ich öffnete die Haustüren ruhig mit einem netten ´hello´, schlich dann 2-3 Schritte in den fremden Fluren herum und machte mich wieder vom Acker, als ich bemerkte, dass ich falsch war.

So stand ich da, 1 Stunde ist nun schon seit meiner Ankunft vergangen. Ich musste erst einmal eine rauchen. Aus meiner Verzweiflung bin ich wieder in das Eisenwarenfachgeschäft, denn der nette Fingerzeiger scheint ja irgendwas zu wissen. Als er mich erblickte, rief er mir etwas auf Kroatisch zu, mein Blick ließ wohl darauf schließen, dass ich es nicht verstand und so übersetzte ein Kunde ´second floor´. Aha, das ist doch mal eine Info! Es gab nur eine Tür unter den 4en, hinter der ich eine Treppe gesehen habe! Yeay! Und endlich, im 2. Stock des Hinterhauses fand ich ein kleines Schild an einer Tür, was mich hoffen lies: Hostel Crikvenica und eine Telefonnummer. Da die Tür verschlossen war, klopfte ich: es passierte nichts. ich klopfte noch einmal lauter an die Tür, es passierte wieder nichts. Keiner da. Hmm… Check-in ist dann wohl erst später. Nun ja, verschwitzt und verstört, immer noch den Backpack auf dem Rücken, machte ich mich, bei jetzt gefühlten 45 Grad, auf den Weg zum Meer. Dort angekommen legte ich mich unter einen Baum und genoss das süße nichts tun. Ich konnte auch gar nichts machen, weder hatte ich Lust mit Backpack die Straßen Crikvenicas in der Mittagssonne zu erkunden, noch wollte mein Tablet ohne Strom irgendetwas machen.

Kroatien - Crikvenica - Promenade

Kroatien – Crikvenica – Promenade

Gegen 14.00h startete ich einen zweiten Versuch meinen Rucksack loszuwerden und die Stadt zu erkunden, immerhin würde ich morgen schon wieder weiterziehen. Innerhalb eines gemütlichen 10 minütigen Spaziergangs war ich wieder am Hostel angekommen und zu meiner großen Überraschung war die Tür immer noch verschlossen! Es blieb mir also nichts anderes übrig als in den teuren Apfel zu beißen und die kroatische Nummer anzurufen. Es meldete sich ein Mann, dem ich sagte, ich hätte eine Nacht im Hostel gebucht und komme nicht rein. Ob ich denn meine Mails nicht checke, er hätte mich heute morgen nämlich extra per Mail (!) gefragt, wann ich ankomme, damit er pünktlich im Hostel ist. Nun gut. Eine halbe Stunde später stand er dann vor mir, ein 2 Meter Hüne mit Angst einflößend riesigen Muskeln und einem Blick, der mich erschauern lies. Als er anfing zu reden, verflog meine anfängliche Angst aber langsam. Er schien ganz nett, trug sogar meinen Rucksack in den zweiten Stock. Ich könne mir ein Zimmer aussuchen, meinte er, ich wäre die Einzige. Die vorderen Zimmer seien etwas laut, wegen dem Straßenlärm, aber die hinteren wären super. Ok, dann halt ein hinteres. Das Hostel ist wirklich groß! In einem alten, aber gut erhaltenen Haus, hohe Decken, Stuck, gefühlte 10 Zimmer und 3 Bäder – schon schön. Nachdem ich mir das Zimmer ausgesucht und er mir alles gezeigt hatte, wir das finanzielle geklärt hatten, gab er mir den Schlüssel zum Hostel, mein Wifi-Passwort und verabschiedete sich mit: ´Wenn was ist, ruf an.´ Ah, aha, ok, mach ich. Ich machte mich noch kurz frisch und zog dann gegen 16.00h endlich zu meiner Stadterkundungstour los.

Kroatien - Crikvenica - Sonnenuntergang

Kroatien – Crikvenica – Sonnenuntergang

Naja, Stadterkundungstour ist dann doch etwas übertrieben. Crikvenica besteht eigentlich nur aus `Strand´ (ohne Sandkörner! Es gibt dort zwar einen der wenigen in Kroatien, aber da will man nicht hin, versprochen!), Ferienwohnungen und Restaurants. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Vielleicht meinte das mein Reiseführer mit ´bedeutendem Seebad´?! Das hatte ich natürlich zu spät gelesen. So schlenderte ich durch die Gassen und an der Promenade entlang. Es gab eine Freilichtausstellung zum Thema Crikvenica und der Tourismus – ha, irgendwer wollte mich ärgern. Ich hatte einen netten Tag und ließ ihn mit ein paar Bier zum Sonnenuntergang ausklingen. Dieser Sonnenuntergang war herrlich! Mit dem Bier im Blut und fast nichts im Magen zog bei dem traumhaften Anblick Melancholie auf. Auch eine Seite des alleine Reisens. Nicht immer schön, muss aber auch mal sein und raus. Das war die Geburtsstunde meines aller ersten Gedichts ´Didn´t you?´.

Kroatien - Crikvenica

Kroatien – Crikvenica

Im Hostel angekommen riss ich erst einmal das Fenster in meinem Zimmer ohne Klimaanlage auf, das war ja kaum auszuhalten. Auch gegen 22.00h noch 28 Grad und kein Lüftchen. Nach einer Dusche las ich ein wenig, schrieb mein Reisenotizenbuch und bemerkte dann erst die Stille dieses Hostels. Es war so ruhig, man hörte nur das Knacken der alten Hölzer, oder waren es die Ratten? Für mich war es arbeitendes Holz. Da ich nicht in meinen Bettklamotten noch einmal auf die Straße wollte, rauchte ich aus dem Fenster. Dabei stellte ich mit Erschrecken fest, dass mein gewähltes 4-Mann-Zimmer eigentlich von jedem, der wollte, durch das offene Fenster betreten werden konnte. Das Zimmer war zwar im 2. Stock, doch nur die vordere Front. Kroatien und dessen Städte sind sehr hügelig, fast schon bergig und so kam es dann, dass mein Zimmerfenster nur 30 Zentimenter über dem Boden begann. Mit einsetzender Dunkelheit kamen mir Zweifel, erst zur Zimmer-, dann auch zur allgemeinen Hostelwahl. Wie sollte ich denn hier jemals ein Auge zu bekommen? Kein Mensch im Hostel, kein Licht auf der Straße, die sich direkt an meinem Fenster befand. Wenn ich also Licht im Zimmer an habe, können mich alle sehen, ich aber die da draußen nicht. Wenn ich kein Licht an habe, sehe ich gar nichts, die anderen auch nicht. Es schossen tausend Gedanken durch meinen Kopf, ich hörte auf einmal Geräusche, die, so weiß ich heute, überhaupt nicht existierten. Ich schrieb schon einmal, nur vorsichtshalber, in mein Reisenotizbuch, wie ich gerne beerdigt werden möchte, machte mit Handy und Kamera noch Fotos meiner Notizen, nur falls mein Mörder Reisenotizbuch und Handy oder Kamera und Handy mit nimmt, alle 3 Sachen wird er sicherlich nicht nehmen… Ich sag nur: schwerste Paranoia hat sich binnen Minuten in mir ausgebreitet! So kam es dann, dass ich bei 28 Grad Außentemperatur bei geschlossenem Fenster, ohne Klimaanlage oder Ventilator und von innen abgeschlossener Zimmertür die Nacht in meinem Bett verbrachte.

Bei Sonnenaufgang erwachte ich, schaute mich um und freute mich, dass ich noch am Leben war. Weder ermordet, noch erstickt. Ich öffnete erst einmal das Fenster und ließ die frische Morgenluft hinein. Ich genoss die Dusche, kramte meine 7 Sachen zusammen und verließ noch im Morgengrauen das Hostel. Der Hüne meinte am Vortag, ich solle den Schlüssel einfach in den Briefkasten werfen. Die 3 Stunden, die ich warten musste, bis der erste Bus nach Zadar fuhr, verbrachte ich in einem Café mit netten Menschen.

Lohnt sich´s?

Puuh, schwere Frage! Wenn du ein paar Tage füllen musst, dann kannst du gerne hin. Kann man machen, muss man aber nicht.

Kostenaufstellung:

Achtung: die Preise schwanken enorm zwischen Neben- und Hauptsaison (Juli & August), ich war in der Nebensaison (Juni) da

  • Fahrt ab Rijeka: 6,70€
  • 2 Kugeln Eis: 1,60€
  • 2 Nektarinen und 1 Wasser aus dem Konzum: 2,30€
  • Belegtes Brötchen vom Bäcker: 1,90€
  • 1 Nacht im 4er Hostelzimmer: 20€

Tipps & Links:

  • Online-Buchungssystem für Überlandbusse: buscroatia.com Ich würde aber immer am Bahnhof kaufen, weil es günstiger ist
  • Booking.com für Unterkunft, ich war, wie schon geschrieben im Hostel Crikvenica, schlecht zu finden, keine Küche oder ähnliches, sonst aber nett, bestimmt auch viel besser mit Gästen
  • hier noch 48 Dinge, die ich auf meiner Reise durch Kroatien gelernt habe
  • wenn du einen Reiseführer haben solltest, dann lies ihn aufmerksam vor (!) der Ankunft an einem Ort

Hast du Bock auf noch mehr Horrorstorys beim Reisen oder wie es Marie & Chris von worldonabudget.de nennen: Reiseentpfehlungen? Dann schau doch mal in der Blogparade der beiden zum Thema Reisentpfehlungen rein, da wirst du sicherlich fündig! Dieser Beitrag ist einer davon.

Hier die Karte mit meinen bereisten Orten in Kroatien, unter anderem auch die Plitvicer Seen:

 

Noch mehr Fotos findest du in den Beiträgen der Harinezumi-Fotoreihe über Kroatien und Zagreb.

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2 Gedanken zu “Crikvenica – ein Ort zum Fürchten?

  1. Hallo Candy,

    vielen lieben Dank für diesen tollen Beitrag zu unserer Blogparade! Einfach mal gar nichts machen klingt ja eigentlich ganz gut, aber alleine im Hostel hätte ich auch Angst bekommen. Vor allem wenn das Zimmer so leicht zugänglich ist.

    Ich wünsche dir viele gefüllte Hostels und sende liebe Grüße aus Guatemala
    Chris

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  2. Jaooo nie wieder werde ich in Urlaub gehen ohne zuvor nachzudenken. Ich habe bemerkt das Crikvenica ein sehr populäres Reiseziel ist und darum muss man auf jeden Fall ein bisscheh früher Ferienwohnungen buchen. Letztes Jahr habe ich im Urlaub nach Crikvenica gereist. Ich habe mich sofort auf die Suche nach einer Ferienwohnung gemacht . Ich habe 8 Stunden in der prallen Sonne nach einer Ferienwohnung gesucht, es war schrecklich. Nach 87 Stunden saß ich im Park auf eine Bank und suchte im Internet. Meine Ferienwohnung habe ich dann endlich auf Crikvenica Kroatien gebucht: http://www.crikvenica-kroatien.com . Ich möchte erwähnen, dass dies der erste und letzte Mal, dass ich auf die Suche nach der Wohnung gehe ohne vorher zu bukieren, es tut wirklich Sinn. Es ist viel besser, eine Ferienwohnung zu buchen und dann gibt es keine Sorgen. Strände in Crikvenica sind schön, und die schönsten für mich ist der Sandstrand Crni Molo.

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