Wo gibt´s die besten Pommes in Brüssel?

Brüssel - Jeanneke Pis (Schwestervon Manneken Pis)

Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt 27 Grad Celsius, ein laues Lüftchen weht, der Himmel strahlt sein schönstes blau und wenn ich nicht wüsste, dass ich in Brüssel bin, hätte ich keine Ahnung, welches Land mein Aufenthaltsort ist. Ich sehe Menschen aller Nationen die kleinen engen Straßen entlang schlendern, unzählige Sprachen dringen in mein Ohr, Gerüche von Fritteusen und Waffeleisen steigen in meine Nase: Brüssel, du bist so wunderbar!

Belgien hat ganze 3 Amtssprachen: Deutsch, Niederländisch und Französisch. In „Brüssel“ scheidet Deutsch als offizielle Sprache zwar aus, dafür potenziert sich die Zahl der gehörten Sprachen auf den Straßen. „Brussel“ ist eine eher kleine, süße Stadt, 1,1 Millionen Einwohner tümmeln sich auf 161 qkm (Berlin im Vergleich mit 3,5 Millionen Menschen auf 892 qkm). Und „Bruxelles“ ist nicht nur Hauptstadt von Belgien, sondern auch Sitz der EU und der NATO. Alles vereint in einer wunderschönen Stadt mit tollem Flair, das zum Leben einlädt. Natürlich hat sich die Stadt auf meiner Stippvisite von seiner schönsten Seite gezeigt, aber ich glaube auch bei Regen kann man es hier aushalten, schon allein in der ewig langen Shoppingstreet namens Rue Neuve, oder in einer der unzähligen Bars, in der man Belgiens 1.000 unterschiedliche Biersorten kosten kann (1.000 ist keine ausgedachte Zahl!).

Mein Brüsseltrip war in eine kleine Belgien-Niederlande-Reise mit einer lieben Freundin aus Antwerpen eingebettet. Wie wir das ja alle kennen, kannte sie sich auch nicht besonders in der Hauptstadt ihres Heimatlandes aus und wusste nun nicht so recht, was wir uns anschauen sollten, denn Brüssel ist für sie nichts weiter als der Ort, in dem sie meistens in einen Flieger steigt und die Welt erkundet und so nur den Flughafen sieht. Da ich von meinen Free-Walking-Touren in Köln und Kopenhagen einfach nur begeistert war, schlossen wir uns auch in Brüssel einer eben dieser an. Nach einer kurzen Recherche im Netz bin ich auf VivaBrussels gestoßen. Das besondere an den Touren: die Einnahmen gehen nicht zu 100% an den Stadtführer bzw. die Organisation, ein Teil davon kommt auch noch sozialen Projekten zugute.

Brüssel - Rathaus

Brüssel – Rathaus

13.30h ging´s dann los: Unser australische Guide führte uns über den Grand Place (eigentlich großer Markt und zählt zum Weltkulturerbe), erzählte viel über die Geschichte der Zunfthäuser, leitete uns vorbei an Everard t’Serclaes (eine Berührung seines Armes soll Glück bringen (erinnert mich ein bisschen an Tünnes&Schäl)) hin zur wohl berühmtesten, wenn auch kleinsten Sehenswürdigkeit Brüssels: Manneken Pis.

Brüssel - Manneken Pis

Brüssel – Manneken Pis

Hmmm, ja, ein kleiner Junge, der pinkelt. Viel interessanter fand ich die Information, dass Manneken eine Schwester hat: Jeanneke Pis.

Brüssel - Jeanneke Pis (Schwestervon Manneken Pis)

Brüssel – Jeanneke Pis (Schwestervon Manneken Pis)

Ich habe mich köstlich amüsiert, nicht nur über sie, sondern v.a. über den Fakt, dass Brüssels Einwohner so schön über sich selbst lachen können. Sie wurde nämlich nur errichtet, um mehr Touristen in die Sackgasse zu locken, in der sie pinkelt.

Brüssel - TinTin (Tim und Struppi)

Brüssel – TinTin (Tim und Struppi)

Danach gab es eine kleine Geschichtsstunde über Tim und Struppi, die die meisten von uns aus Filmen oder Comics kennen. Tim und Struppi heißt eigentlich TinTin und stammt von einem Belgier. Eine sehr interessante Geschichte, v.a. zur Zeit des 2. Weltkriegs. Leider findet man nicht so viel im Netz über die Geschichte des Machers Georges Prosper Remi alias Hergé, Wikipedia bietet da schon am meisten.

Weiter ging es durch die Stadt zur Kathedrale St. Michael und St. Gudula mit ein paar witzigen Anekdoten über das Belgische Königshaus und wie in unserem Nachbarland Politik betrieben wird oder auch eben nicht ohne Regierung. Der schöne Warandepark, auch Königlicher Park genannt, schließt sich fast direkt an und lädt bei solch herrlichem Wetter einfach ein sich den picknickenden Brüsselern anzuschließen.

Brüssel - Warandepark

Brüssel – Warandepark

Da saß nun unsere Gruppe in der Sonne im Park und wir kamen auf ein für mich neues und schwarzes Kapitel der Belgischen Geschichte: das Kongogräuel. Zwischen 1888 und 1908 kam es unter Führung des Belgischen Königs Leopolds II im Kongo zu massenhaft Tötungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen, 8 bis 10 Millionen Menschen sollen getötet worden sein, 50% der Bevölkerung. Das alles nur aufgrund von wirtschaftlichen Interessen. Wen es interessiert, dem sei dieser Wiki-Eintrag ans Herz gelegt.

Mit einem wunderschönen Ausblick über Brüssel vom Kunstberg (Mont de Art) verabschiedeten wir uns von unserem tollen Guide und der Gruppe. Nach über 3 Stunden laufen knurrte uns ganz schön der Magen und was isst man in Belgien, wenn nicht Pommes?!

Brüssel - Henri Maus Straat - Fritland

Brüssel – Henri Maus Straat – Fritland

Wir suchten die besten Pommes in ganz Brüssel – ein Tipp von unserem Guide brachte uns auf Fritland, in der Henri Maus Straße (hahahahaha). Die Pommes waren wirklich die besten, die ich je gegessen habe, außen knusprig, innen weich und heiß, nicht zu viel und nicht zu wenig Salz, ein Festmahl! Kann ich mehr als empfehlen. Um die große Portion Pommes auch zu verdauen, machten wir einen kleinen Spaziergang über die Rue Neuve, der Einkaufsmeile Brüssels. Es war brechend voll, Menschen überall, vor dem Primark sogar eine Schlange, in der Leute gewartet haben in das Geschäft zu dürfen, und ich spreche nicht von 5 bis 10 Leuten, die draußen gewartet haben – das habe ich auch noch nicht gesehen.

Brüssel - Place de Martyrs

Brüssel – Place de Martyrs

Da mir dieses Einkaufsgewusel eher weniger gefallen hat, haben wir uns auf einer riesengroßen Parkbank auf dem Place des Martyrs niedergelassen und den farbenprächtigen Sonnenuntergangshimmel genossen.

Eine wichtige, sehr wichtige Sache mussten wir vor unserer Abfahrt aber noch erledigen: eine Waffel essen! Die Auswahl der zu verzehrenden Waffel kann in Brüssel zu einer Grundsatzdebatte ausarten: Man unterscheidet zwei Arten von Waffeln: Die Brüsseler Waffeln, bestehend aus einem Eierteig und meist belegt mit allem, was man will, und die Lütticher Waffeln, die ein wenig fester sind, dessen Teig Hagelzucker (grobe Zuckerkörner) enthält und die ohne etwas, also ganz nackig gegessen werden. Manche behaupten, man erkenne die Touristen daran, dass sie Brüsseler Waffeln essen, mit Erdbeeren, Schokosoße, Sahne und was sonst noch raufpassen mag. Die wohl echten, guten Waffeln seien die Lütticher. Was nun stimmt: ich habe keine Ahnung. Ich entschied mich schon allein aufgrund des Preises für eine Lütticher: sehr lecker!

Lohnt sich´s?

Ja! Auf jeden Fall! Ich bin sehr traurig, dass ich nicht noch mehr von Brüssel gesehen habe, nicht mehr von dieser tollen, einzigartig lockeren Atmosphäre erleben konnte und auch hätte ich gerne ein paar der 1.000 Biersorten probiert.

Kostenaufstellung:

Belgien an sich ist schon ein teures Land, teurer als Deutschland, vielleicht ist es in Brüssel noch einen Ticken mehr?! Wer weiß das schon…

  • Fahrt von Herentals nach Brüssel und wieder zurück: 11€
  • 0,2l Cola in einer Bar: 2,50€
  • Super geile Pommes: 3,50€
  • Leckere Lütticher Waffel: 1€
  • Free-Walking-Tour: 5€

Tipps & Links:

  • Am Wochenende spart man in Belgien bei Zugreisen bis zu 50% mit der Wochenendfahrkarte, hier kann man Verbinungen und Preise checken: belgianrail.be/de
  • VivaBrussels hat auch spanische Touren im Angebot
  • Falls die Treffzeiten von VivaBrussels nicht passen sollten, es gibt auch noch newbrusselstours.com
  • Pommes und Waffel sollten/ können aber auf keinen Fall direkt nacheinander gegessen werden, ein Spaziergang oder auch 2 Stunden Pause sollte man zwischen beiden Mahlzeiten schon einplanen
  • die besten und günstigsten Waffeln gibt es in der Rue de l´Etuve, direkt beim Manneken Pis
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