Panik, du blöde Kuh! F*ck off!

Welcher ist jetzt der richtige Weg?

Ich möchte ein halbes Jahr von woanders als zu Hause arbeiten, rumreisen, etwas von der Welt sehen, andere Kulturen erleben, mal die Seele baumeln lassen, längst ersehnte Antworten auf Fragen finden (vielleicht ganz einfach auf dem Weg, wie Marianne in ihrem Kommentar meint), lesen, ganz viel lesen, mal wieder dieses Gefühl der Langenweile spüren, wie früher als Kind, und verrückte Sachen essen. Es sind noch 22 Tage, 22 Tage bis zum Abflug ins Ungewisse. Die letzten 22 Tage sind wie im Fluge vergangen und ich wette, dass es die kommenden noch schneller werden. Verfalle ich deswegen in Panik? Oh ja! Und wie! Ich drücke es so aus: Schnappatmung mit nem ordentlichen Schiss in der Hose.

Panik, Panik, Panik, aber „nur“ situativ, ab und an. Sie überfällt mich, wenn ich mal 2 Minuten zwischen administrativen Aufgaben durchatme. Sie durchwandert meine Nächte, vor allem die friedlichen 2 Minuten direkt vor dem Einschlafen. Wenn ich so im Dunkeln vor mich hindöse, ich genau weiß, dass ich in den nächsten 30 Sekunden einschlafe, kommt sie und wirft mir ihre Fragen mit voller Wucht an den Kopf:

  • „Hast du an den Arzttermin gedacht, um dir das Antibiotikarezept zu holen?“
  • „Was passiert, wenn die Umzugsleute nicht kommen und deine Sachen am Vortag der Abreise immer noch im gekündigten WG-Zimmer stehen?“
  • „Musst/ solltest du deinen über Kairo gehenden Flug angesichts der aktuellen Lage vielleicht umbuchen?“
  • „War nicht morgen der nächste Impftermin? Vergiss den Impfapss nicht!“
  • „Du musst noch den Nachsendeauftrag fertig machen.“
  • „Du musst noch einmal zum Zahnarzt.“
  • „War der Termin für den internationalen Führerschein heute?“
  • „Warum kommt die Gesetzesänderung zum Ummelden denn jetzt und nicht zwei Wochen später? Melde dich um, irgendwohin, irgendwie!“
  • „Soll ich US-Dollar schon vorher bestellen und mitnehmen? Wenn ja, wie viel?“
  • „Reicht das Geld wirklich?“
  • „Wie viel Tans sind auf der Tanliste noch frei?“
  • „Denk daran die Auslandskrankenversicherung abzuschließen.“
  • „Recherchiere noch mal, ob man sich bei der GEZ abmelden kann.“
  • „Was sind die Dinge, an die ich noch nicht gedacht habe?“

Und dann liege ich da, gehe meine To-Do-Liste noch einmal im Kopf durch, und hyperventiliere. Eben war ich mit meinen Gedanken noch bei den Zebras, die ich in Afrika sehen werde und schwupps, bin ich bei Einwohnermeldeämtern und Umzugsleuten. Ich habe die kommenden 22 Tage so viel zu organisieren, wie manchmal in einem ganzen Jahr nicht. Wie soll ich das alles schaffen? Arbeiten müsste ich ja theoretisch nebenbei auch noch – vollzeit.

Freunde und Bekannte fragen nun verstärkt: „Und??? Wo geht´s hin?“ oder auch „Was macht die Planung?“ Ich kann dann meistens nur mit einem Schulterzucken antworten, denn ich weiß es doch auch nicht.

Welcher ist jetzt der richtige Weg?

Welcher ist jetzt der richtige Weg?

Zum einen hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, nichts bzw. nicht allzu viel zu planen, zum anderen lähmen mich die vorbereitenden Maßnahmen aber dermaßen, dass ich gar nicht mehr die Zeit, die Kraft und/ oder auch die Nerven habe, mich um die Reise an sich zu kümmern. Ich meine um die Sachen, um die man sich gerne kümmert. Nicht die bürokratischen Lasten, die mit Ämtern, der GEZ oder Ärzten zu tun haben, sondern die: wohin möchte ich eigentlich? Was will ich sehen? Auf meiner Liste für diese 6 Monate stehen mindestens hunderttausendtrilliarden Länder. Und da schon wieder: PANIK! Was mache ich? Verpasse ich das Beste, wenn ich mich jetzt nicht kümmere?  Setze ich jetzt mit meinem Nichtstun schon den Grundstein für eine misslungene Reise? Nein, und das weiß ich auch. Aber in den Sekunden der Panik kommen dann solche Gedanken zustande, die sich auch zu 100% nicht mehr abschütteln lassen. Ich weiß zwar, dass das Blödsinn ist, aber ein millikleines Stück dieser bösen Gedanken hat sich in meinen Kopf gefressen.

Dazu kommt noch, dass ich mich dabei erwische bei diesen Fragen zu schmunzeln und zu denken: „Hä? Wieso soll ich das denn jetzt schon wissen? Ist doch noch so lange hin.“ Und dann, bähm. Da ist sie wieder PANIK! Ist gar nicht mehr lange, Candy! 22 Tage! Aber mein Kopf ist mit Fragen rund um Ämtern, Ärzten und ätzenden Sachen voll, da steht mein Abflug am 1.Dezember leider hinten an. Und ich muss schweren Herzens zugeben: auch mein Hirn hat nur begrenzte Aufnahmekapazitäten.

Wenn ich am Wochenende in meiner WG den Putzlappen schwinge, fallen mir immer wieder Sachen aus meinem Bestand auf, die nicht in meinem Zimmer sind und die ich nicht vergessen darf. Sätze wie „An das musst du dann aber denken.“oder „Oh, den Topf hast du ja auch noch, den darfst du nicht vergessen.“ schwirren dann durch mein eigentlich mit lauter Musik erfülltes Ohr. Am liebsten würde ich jetzt schon mal alles packen, damit es dann am Umzugstag nicht in Stress ausartet, was natürlich kompletter Quatsch ist, wenn ich hier noch zweieinhalb Wochen wohne. Trotzdem merke ich dieses fiese Gefühl der PANIK! Wie mein Herz schneller und immer schneller zu klopfen beginnt.

Dann sind da noch diese Grundsatzfragen, die mich regelmäßig in PANIK ausbrechen lassen:

  • „Wieso tust du dir das an?“
  • „Was hast du dir dabei gedacht?“
  • „Warum?“
  • „Was soll das?“
  • Deine Antworten wirst du auch nicht beim Anblick eines Zebras oder einer Schildkröte finden.“

Bei jedem dieser Schübe muss ich ein paar Mal mit geschlossenen Augen durchatmen, ganz konzentriert, fokussiert auf meine innere Bauchstimme, die sagt: „Candy, dat wird schon! Bleib cool!“

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6 Gedanken zu “Panik, du blöde Kuh! F*ck off!

  1. 😀 Sehr schön. Das kommt mir gerade sehr, sehr bekannt vor. Und diese Panik überfällt einen blöderweise total unvorbereitet, wenn man grade gar nicht damit rechnet und fragt: WAS zur Hölle machst du eigentlich grade!?! Auswandern? Du spinnst doch! 😀

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