Marock´n´Roll, Baby!?

Surfen

Marokko – Land der Dromedare (nein, Kamele gibt es hier keine), des Tees, des Argan Öls, der 1001 Nacht. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum viele Leute, darunter auch ich, nach Marokko kommen: Surfen! V.a. im Winter sind die Bedingungen an vielen Abschnitten der Marokkanischen Atlantikküste super.

Seitdem ich das erste Mal am Meer war und Surfer sah, wollte ich das auch können. Die Macht des Wassers, die Stärke der Wellen nutzen, um oben auf der Spitze zu reiten. Je älter ich wurde, desto mehr zog mich auch dieser spezielle Lebensstil an. Nicht an morgen denken, den Augenblick genießen, das Leben im Jetzt, diese Ungezwungenheit, diese Freiheit. Und natürlich auch die sehr gut gebauten Männer! Und nun erfülle ich mir diesen Traum! Ich stehe jeden Morgen um 7.00h auf, mit jedem Tag auf dem Brett nimmt der Schmerz im gesamten Körper zu. Blaue Flecken, Schürfwunden und mehrere tausend Liter (ungelogen!) geschlucktes Salzwasser gehören zur Tagesordnung. Hört sich jetzt nicht gerade nach diesem Surferparadies an, he?

Surfen

Surfen

Ist es auch nicht, naja, noch nicht, paradiesisch ist es trotzdem. Ich kämpfe mit den Wellen. Stunde um Stunde, werde besser, stehe stabiler, werde immer mal wieder von und in einer Welle durchgewirbelt, hole mir unzählige Blessuren und Kratzer. Aber ich liebe es! Ich liebe diese (zugegeben) wenigen Sekunden, in denen ich auf dem Board stehe und die kleine Welle (eigentlich nur Schaum, Weißwasser) bezwinge und mir das Meer zu Füßen liegt, aus dem ich noch wenige Minuten vorher Unmengen an Wasser ungewollt getrunken habe.

Wie sieht so ein Tag in einem Surfcamp aus?

Wie gesagt, der Wecker klingelt 7.00h. Der Körper schreit regelrecht nach Stretching. Ich könnte mich der Yogastunde zum Sonnenaufgang anschließen, dafür fehlt mir jedoch der Sportsgeist. Der Tag startet mit einem reichhaltigen Frühstück bei 17 Grad und strahlend blauem Himmel. Ich denke an Hamburg im Dezember: grau in grau mit ein bisschen Nieselregen – haha, alles richtig gemacht.

Gegen 9.00h geht’s dann los. Nachdem alle Boards festgeschnürt und die Neoprenanzüge gepackt sind, geht’s auf die Suche nach dem besten Surfspot für heute. Jeder Tag ist anders, genau wie das Wetter und die Wellen. Wenn das Tagescamp am Strand aufgebaut ist, was ein paar Sonnenschirme, die Kühlboxen mit dem Mittagessen und wichtiges Equipment wie eine Frisbee und ein Fußball umfasst, fängt es mit einem Warm Up an: laufen, stretchen, springen. Dann bin ich so lange im Wasser, wie meine Kondition es zulässt. Man mag es nicht glauben, aber das anstrengendste am Surfen ist das ins Wasser kommen. Zum Surfen bedarf es Wellen, denen man erst einmal entgegen gehen muss, um dann auf ihnen surfen zu können. Daher der Muskelkater in den Armen: es heißt paddeln, paddeln, paddeln. Eine Welle ist größer als die andere. Mal stehe ich eine Welle, mal werde ich wie in einer Wäschetrommel in die Welle gezogen und durchgespült –samt Brett. Mein Bauch füllt sich immer mehr mit salzigem Wasser. Und wer sich jetzt fragt, wie und wo das ganze Meerwasser wieder aus dem Körper kommt: laufen lassen. Die besten Wellen gibt’s selten da, wo es Toiletten gibt. In der 1-2 stündigen Mittagspause am Strand versuche ich meist braun zu werden, denn mit einem langen Neoprenanzug im Wasser wird man das nur im Gesicht, an den Händen und Füßen.

Candy nach dem Surfen

Candy nach dem Surfen

Nach einem leichten Mittagessen geht’s dann weiter in die Nachmittagsrunde. Welle um Welle kommt und ich versuche sie zu beherrschen. Manchmal gewinnt die Welle, manchmal aber auch ich. Und so gehen Stunden ins Land sag ich euch, die Zeit rast!

Spätestens 16.30h ist dann Feierabend. Wetsuits und Boards werden sauber gemacht und wieder ordentlich auf´s Auto geschnürt. Wieder im Camp angekommen kann, wer will, auch zum Sonnenuntergang noch eine Stunde Yoga machen, damit der Muskelkater, v.a. in den Armen, am nächsten Tag nicht allzu groß ist. Bei mir und ein paar anderen Leuten stand eher das Sonnenuntergangsbierchen auf dem Plan.

19.00h gibt es dann endlich Abendbrot, was manche aufgrund der Erschöpfung auch schon verschlafen haben. Ich nicht. Wer durchhält, trinkt noch 1-2 Biere und dann ist aber spätestens 22.30h Bettzeit. Nach 2 Wochen surfen bin ich noch lange nicht soweit, um eine ordentliche Welle zu stehen, aber ich habe schon mal die Grundlagen drauf, weiß, worauf es theoretisch ankommt.

Ich bin im Solid Surf House in Tamraght. Aufgrund des Niederländischen (warum sagen eigentlich alle Holland, wenn es nur ein Teil der Niederlande ist?) Inhabers, sind auch viele Gäste genau daher. Seit meinem Aufenthalt habe ich diese Nationalität in mein Herz geschlossen, vorher hatten wir doch ein eher angespanntes Verhältnis. Das Camp an sich besteht aus einem Haupthaus mit Küche, großem Wohnraum mit Billardtisch, einem sauberen Pool, vielen Sitz- und Lümmelgelegenheiten und Hängematten. Die Zimmer sind mit allem ausgestattet, was man so braucht, also Bett und Bad. Sehr minimalistisch, aber auch vollkommen ausreichend und v.a. sauber. Das Haus hat zwei große Terrassen, auf denen man es sich gut gehen lassen kann, die Einzel- und Doppelzimmer haben sogar eigene Balkone. Ich war in zwei verschiedenen Gemeinschaftsräumen untergebracht, im 6-er und im 4-er Schlafzimmer, beide Zimmer waren gut. Ab und an hat man aus dem Badezimmer einen nicht so angenehmen Geruch gehabt, aber das konnte man ertragen. Das Solid Surf House bietet All-inklusive-Wochen an, d.h. man bezahlt einen fixen Preis (299,-€ pro Woche) und bekommt dafür:

  • Jeden Tag Frühstück
  • Jeden Tag Mittag, das man sich selbst vom Frühstücksbuffet zusammenstellen kann
  • 5 Mal die Woche Abendbrot, freitags hat der Koch frei und samstags wird gegrillt, was 10€ extra kostet (oder man fährt in den Nachbarort in ein Restaurant)
  • Jeden Tag surfen von ca. 9.00h – 16.00h
  • Surfbrett und Neoprenanzug
  • 2 Mal am Tag Yoga
  • Ein Bett im Gemeinschaftsraum, Einzel- und Doppelzimmer kosten extra

Alles in allem kann ich das Solid Surf House weiterempfehlen. Wem es weniger wichtig ist so etwas wie Privatstunden im Surfen zu bekommen, ist hier gut aufgehoben. Wir sind immer in einer Gruppe mit 23 bis 30 Personen unterwegs und darauf kommen 2 bis 3 Surflehrer, je nachdem, wer gerade frei hat. Dass man da nicht erwarten kann, dass der Surflehrer alle halbe Stunde mit individuellen Tipps auf einen zukommt, ist klar. Weiterhin haben die Surflehrer allesamt eine sehr entspannte Einstellung zur Arbeit, sie lieben es selbst zu surfen, was sie auch gut können, am Strand rumzuhängen, Witze zu machen und Fußball zu spielen. Will man wirklich an seiner Surftechnik feilen, so muss man sich das Feedback schon mit Eigeninitiative einfordern. Andere Camps, die mehr Wert auf genau diese Surftechnik legen, kosten dann schon mal das Doppelte. Das Team an sich, also Manager, Köche, Putzfrauen, Surflehrer und Fahrer, ist sehr nett, hilfsbereit und einem Bierchen oder Whisky nie abgeneigt.

Tamraght an sich ist ein (noch) verschlafenes Nest. Gleich nebenan liegt der Surferhotspot Taghazout, auch ein kleines Örtchen, was früher mal ein kleines Fischerdorf war, in dem viele Hippies lebten. Heute besteht Taghazout auf den ersten Blick nur aus Surfcamps, Restaurants, Bars und Geschäften. Jedoch ist die Atmosphäre sehr nett und entspannt. Es erinnert mich ein bisschen an die guten, thailändischen Touriorte. Vielleicht sieht es in ein paar Jahren in Tamraght genauso aus?! Wer weiß? Tamraght und der Nebenort in anderer Richtung -Aourir- werden zusammengefasst Banana Village genannt. Warum? Genau, weil es hier so viele Bananen gibt. Zum Banana Village gehört auch der Banana Beach, ein bekannter Surfspot sowohl für Anfänger, als auch Fortgeschrittene. Andere beliebte Surfspots, wie Hash Point, Panorama, Anchor Point, Killer Point und viele mehr liegen um Taghazout verteilt. In der Nähe des Solid Surf House gibt es ein paar Kioske, in denen man sich mit dem Nötigsten eindecken kann, eine Bäckerei mit super leckeren Donuts für nur 1 Dirham (10 Cent) und einen Smoothieshop mit genauso leckeren Avocadosmoothies für 14 Dirham (1,40€). Alkohol kann man in Tamraght und naher Umgebung nicht kaufen. Dafür kennt man entweder die richtigen Leute, stoppt auf dem Rückweg in Agadir an einem Alkoholladen oder lässt sich ein Taxi organisieren, welches das Bier bringt, dann natürlich mit Aufpreis.

Wie läuft das mit dem Arbeiten auf Reisen so?

Nach 6 von 14 Tagen nonstop surfen, habe ich mir und meinem Körper mal 1 Tag Auszeit gegönnt. Eigentlich wollte ich diesen nutzen, um zu arbeiten. Mit der Arbeit bzw. der Motivation dazu ist das bei mir so eine Sache, wenn die Sonne lacht und die Neugierde auf die Umgebung riesengroß ist. Einen halben Tag habe ich es geschafft zu arbeiten, dann bin ich mit ein paar netten Leuten an den Strand gegangen. Sie sind an diesem Tag erst angekommen und irgendjemand musste sie ja rumführen und ihnen alles zeigen. Dass das nun gerade auf meinen Arbeitstag fällt, war Schicksal, da konnte ich nichts für. Ansonsten bin ich ein paar Mal extra früh aufgestanden, um 1 – 1,5 Stunden Mails zu checken und das Wichtigste zu bearbeiten. Fazit: Geht so, ne?

Mein Gesamteindruck der Zeit im Surfcamp: sehr gut! Natürlich waren die Gegebenheiten vom Surfcamp schon toll, aber wie so oft, machen es die Leute, die einen umgeben, noch viel schöner! Ich durfte in den 2 Wochen viele tolle Leute kennenlernen und schöne Stunden mit ihnen verbringen, mit ihnen am Strand gammeln, das tägliche Sonnenuntergangsbier genießen, zum Smoothieladen bummeln, den Strand erkunden, Karten spielen, die Hafenstadt Essaouira bestaunen und vieles mehr. Mit einigen habe ich mich so gut verstanden, dass ich meinen Aufenthalt im Camp sogar um einen Tag verkürzt habe, um mit ihnen in ein anderes kleines Surferörtchen namens Imsouane zu fahren. Imsouane liegt ca. 1 Autostunde nördlich von Tamraght und ist noch etwas kleiner. Stromausfälle sind an der Tagesordnung und Wifi ein Luxusgut. Trotzdem war es ganz herrlich an diesem Platz der Erde, so friedlich, ruhig und wunderschön.

Mein neuer Freund

Mein neuer Freund

Das Kennenlernen und ins Herz schließen von lieben Menschen hat auch seine Schattenseite: die Verabschiedung. Schon nach meiner ersten Woche im Surfcamp hatte ich mein erstes kleines Tief, als drei Mädels aus den Niederlanden den Heimweg antraten, mit denen ich mich gut verstanden und viel gemacht habe. Man verbringt so unendlich viel gute Zeit miteinander, ich meine diese positive Zeit, in der man alles andere als gestresst ist, nicht arbeiten muss (naja), jeden Tag mit bester Laune beginnt, den ganzen Tag nur das machen kann, wonach einem gerade der Sinn steht. Solch gute Zeit schweißt schon nach kurzer Zeit zusammen. Man erzählt den ganzen Tag, berichtet dies und das, hört hier und da was und nach zwei Tagen hat man das Gefühl, man kennt die Leute schon viel länger. In meinen ersten drei Wochen meiner sechsmonatigen Reise hatte ich nun schon 4 Abschiede, die mir mehr oder weniger nah gegangen sind. Ich weiß nicht, was das noch werden soll. Muss ich mich daran gewöhnen? Ist das nicht auch ein gutes Zeichen, dass mir ein Lebewohl ans Herz geht? Sollte ich mich daran gewöhnen, um danach nicht traurig zu sein, mich selbst zu schützen? Hmm, ich weiß noch nicht, wie ich das handhabe. Ich werde es herausfinden, hoffentlich.

Hier findest du die Orte, die ich in Marokko nur besucht (weiß) und besucht und drüber geschrieben habe (rot). Eine Nacht in der Wüste kann ich dir nur wärmstens empfehlen, der Sternenhimmel in der Sahara ist ne wahre Pracht! Du weißt nicht, ob du dir das leisten kannst, dann schau doch mal in die Kostenaufstellung für Marokko rein.

 

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