Sternenhimmel in der Sahara

Dromedarritt in die Wüste

Ich liebe es in lauen Sommernächten draußen zu liegen und einfach nur in den Sternenhimmel zu schauen. Milliarden funkelnde Punkte, die je nach Perspektive das ein oder andere Bild ergeben. Ich habe keine Ahnung von Sternenbildern, auch wenn ich schon oft genug im Planetarium war und auch zwei Jahre Astronomieunterricht in der Schule hatte. Ich könnte auch so, ohne Sternenbilder am Himmel zu suchen, stundenlang einfach nach oben starren.

Wenn man nur lang genug ein und denselben Stern anschaut, fangen die anderen drum herum an sich zu bewegen. Man darf dann nicht blintzeln, denn dann hört die Bewegung auf. Irgendwann muss man aber blintzeln und dann wird es schwer den eben noch beobachteten Stern wiederzufinden. Ein tolles Spiel! Krönung einer solchen Nacht sind für mich Sternschnuppen. Hach, da Lacht mein Herz, da werde ich wieder Kind. Ich wünsche mir bei jeder einzelnen Sternschnuppe, die ich sehe, etwas und bete, dass es doch bitte in Erfüllung gehe. Ich bin in einem kleinen Dorf abseits größerer Städte aufgewachsen. Da sogar die Straßenbeleuchtung gegen 22.00h ausgeschaltet wurde, hatte ich als Kind perfekte Voraussetzungen zum Sterne gucken. Je älter ich wurde, desto größer wurden auch die Städte, in denen ich lebte. Und man kann mir glauben, dass ein Sternenhimmel auf dem Lande ein ganz anderer ist, als in der Stadt. Wie muss der Sternenhimmel denn erst da aussehen, wo es gar kein Licht gibt, keine Menschen, keine Energie, keine Straßenlaternen, gar keine Lichtquellen, die den Sternenhimmel beeinflussen könnten? Wie sieht der Sternenhimmel in der Wüste aus? Diese Frage beschäftigt mich schon so lange, wie ich das Spiel mit den Sternen spiele – ewig! Und wenn ich dann schon mal in Marokko bin und Zeit habe, muss ich dieser Frage natürlich nachgehen.

Nun kann man leider nicht einfach so in die Wüste spazieren und sich den Sternenhimmel angucken. Also könnte man theoretisch schon: Der Plan für Abenteuerlustige: den öffentlichen Bus von Marrakesch nach Merzouga nehmen und mit Sack und Pack (damit meine ich Zelt, Essen und andere Ausrüstung) ab in die Dünen. Da ich aber kein Zelt dabei hatte und ich mir nicht zutraue alleine aus der Wüste wieder raus zu finden (reingehen würde kein Problem darstellen), blieb mir nichts anderes übrig, als eine Gruppentour von Marrakesch aus in die Wüste zu buchen. Nichts leichter als das: die Verkäufer warten nur darauf. 80€ für 3 volle Tage klingt fair: gebucht!

So hieß es dann am nächsten Tag 6.00h aufstehen, denn der nette Fahrer der Agentur klingelt pünktlich an die Tür meines Riads und holt mich ab. Nachdem wir dem Labyrinth der Medina entkommen sind, setzte er mich in ein Auto und wir fuhren zur Touristen-Sammelstelle. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist… Nach und nach trifft meine Gruppe ein: 2 Franzosen, die (natürlich) schlechtes Englisch sprechen, ein Brasilianisches Pärchen, das mit niemandem redet, dazu ein Deutsches Pärchen, ein Japaner namens Tissue und eine kleine Familie mit Kind und Omi aus Berlin. Na dann, los geht´s! Noch bevor wir im Atlas Gebirge sind, übergibt sich das Kind gefühlte 1.000 Mal, nach der ersten Pause folgt aber glücklicherweise ein Platztausch und Kind und Kegel sitzen ganz vorne, weit weg von mir. Die Marokkanische Landschaft, die im Atlas an einem vorbeizieht, ist wunderschön: Felswände, metertiefe Abgründe, schlängelnde Serpentinen ohne Leitplanken. Ganz oben angekommen genießen wir den Ausblick und fahren die andere Seite einfach wieder runter.

Rein theoretisch sind es nur ca. 580 km zwischen Marrakesch und Merzouga. Wenn man aber über die Berge fährt und nicht nur 16 Stunden am Tag im Auto sitzen will, dann braucht man insgesamt schon mal 3 Tage, um nur eine Nacht in einer richtigen Wüste schlafen zu können. Nach den ersten 200 km machten wir Halt in Aït-Ben-Haddou, einem kleinem Dorf, das als Filmkulisse zahlreicher Hollywood-Streifen

Aït-Ben-Haddou in Marokko

Aït-Ben-Haddou in Marokko

Berühmtheit erlangt hat und in dem immer noch Menschen wohnen. Natürlich war es faszinierend dieses wunderschöne Dorf anzuschauen, doch leider betonte mir unser Guide die Bedeutung als Filmkulisse für ja ach so viele und vor allem erfolgreiche Filme zu sehr, sodass ich ihm irgendwann nicht mehr zuhörte und versuchte das Dorf und vor allem die Umgebung mit den Palmen, den Bergen, dem kleinen Flüsschen zu genießen. Nach einem Mittagessen ging es dann schnurstracks wieder auf die Straße. Nur eine kleine Pause haben wir gemacht, bevor wir schon im Dunkeln gegen 19.00h im Hotel ankamen. Dass es abends im Dezember in Marokko kälter werden kann, hatte ich ja schon vorher bemerkt, aber stolze 4 Grad Celsius waren dann doch etwas wenig für meinen Sommerrucksack. Der extra in Marrakesch gekaufte Pulli tat zwar seinen Dienst, aber bei 4 Grad ist das denn doch etwas wenig. Im Hotel selbst waren es geschätzte 18 Grad. Hier gab es keine Heizung, aber zum Glück heißes Wasser! Nach einer leckeren Tajine (wenn ich ehrlich bin, kann ich keine Tajine mehr sehen) ging´s ab unter die heiße Dusche und sehr schnell ins Bett. Mit den 4 vorhandenen dicken Wolldecken zugedeckt, schlief ich sehr gut, bis am nächsten Morgen der Wecker 6.00h klingelte und ich raus in die Kälte musste. Nach einem Zwischenstopp in einem weiteren kleinen Berber-Dorf und an tollen Felsformationen, erreichten wir nachmittags endlich Merzouga. Hinter einem Haus bekamen wir einen Tee und konnten schon mal die Dünen bestaunen, während unsere Dromedare (Kamele gibt´s in Marokko nicht) gesattelt wurden.

Im Sonnenuntergang reite ich also auf einem Dromedar durch die Wüste -hätte mir das jemand vor einem Jahr erzählt, hätte ich ihn ausgelacht.

Wie ist es so ein Tier zu reiten? Hmm, es tut weh und zwar am Po, je länger man drauf sitzt, desto mehr tut es weh. Aber das ist, wie ich feststellen musste, von Person zu Person unterschiedlich. Andere haben den Ausritt ohne Prellungen und blaue Flecken überstanden. Noch nicht mal in unserem Nachtlager angekommen, hatte ich schon vor dem nächsten Morgen Angst. Denn dann würde es heißen: die ganze Strecke wieder zurück; auf einem Dromedar.

Nun ja, ich versuchte mich auf den Sonnenuntergang in der Wüste zu konzentrieren, das klappte ganz gut. Irgendwann, nach über einer Stunde kamen wir dann an unserem Zeltplatz an und wurden aufgeteilt: ich bekam ein Einzelzelt. Im ersten Moment wusste ich nicht so recht, ob ich mich freuen sollte, dass niemand anderes bei mir mit im Zelt schläft oder ob ich beängstigt sein sollte, wer würde mich dann vor den wilden Wüstentieren retten? Ich wendete wieder meine Taktik des nicht-dran-denkens an: funktionierte!

Da wir ja mit Sonnenuntergang ankamen, war es nach dem Bereden des Organisatorischen stockduster. Und was hat Candy nicht in ihren Wüstenrucksack gepackt? Eine Taschenlampe, die lag gemütlich ein paar Kilometer weiter in Merzouga. Na Hauptsache die Ohrringe kamen mit. Dank des Halbmonds sah man aber auch so sehr gut in der Wüste und ich fand den Weg zum Essenszelt. Was es gab? Natürlich Tajine, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber man hat ja keine Wahl so in der Wüste. Meine Kekse hatte ich schon alle aufgefuttert und das kleine Kind meiner Gruppe wollte mir keine mehr abgeben.

Nach dem Abendessen setzten wir uns alle um ein Lagerfeuer, die Guides machten Musik und tanzten. Ich lag einfach nur da und schaute in den grandiosen Sternenhimmel – da kann auch kein Dorf-Sternenhimmel mithalten, echt nicht!

Für die, die noch fit waren ging es dann eine Düne rauf, von der der Sternenhimmel noch schöner aussehen sollte. Keiner hat mir vorher jedoch gesagt, dass es mega-anstrengend ist eine Düne hoch zu spazieren. Man setzt einen Fuß vor den anderen, rutscht einen halben Meter runter, dann der andere Fuß, wieder rutscht man einen halben Meter den Sand runter. Als ich so schweißgebadet die Düne erklomm, war ich doch ganz froh, dass am Nachmittag keine Zeit mehr für Sandboarding war, was ich ursprünglich vorhatte. Wenn ich schon bei 4 Grad schweißgebadet eine Düne hochgehe, wie würde das denn erst am Nachmittag bei 30 Grad aussehen? Oben angekommen legte ich mich in den noch warmen Sand, beobachtete einen Stern, bis sich die benachbarten drehten, wie früher. Ich dachte an all die Lieben, die aus meinem Leben entschwunden sind und nun irgendwo da oben auf einem dieser wunderschönen Sterne sitzen und mich in der Wüste heute auch mal besser sehen können, wenn auch nur für eine halbe Stunde. Ich sah ein paar Sternschnuppen und damit hatte sich mein großer Traum auch schon mehr als erfüllt: in der Wüste den Sternenhimmel sehen und dazu noch Sternschnuppen. Es blinkte und glitzerte überall, atemberaubend schön, einmalig, unbeschreiblich. Als sich mein Körper vom Aufstieg wieder erholt hat, merkte ich erst, wie kalt es doch war. Zeit für den Rückweg. Eine Düne auf dem Arsch runterzurutschen macht definitiv mehr Spaß, als sie hochzukraxeln. Unten angekommen genoss ich noch eine ganze Weile unter einer dicken Wolldecke am Lagerfeuer liegend den Sternenhimmel und lauschte der Musik – herrlich!

Die Nacht im Zelt

Die Nacht im Zelt

Irgendwann musste ich dann aber doch ins Zelt, zum einen weil wir gegen 4.30h geweckt werden sollten, zum anderen weil mein Guide Ahmed seine Decke wiederhaben wollte. Die Nacht im Zelt war ein Glück sehr kurz, denn auch wenn ich alle in meinem Rucksack befindlichen Klamotten an- und alle verfügbaren Decken über mich gelegt hatte, war es trotzdem schweinekalt.

 

 

 

 

Mitten in der eiskalten Nacht mussten wir noch im Finstern (ohne Kaffee!) die Dromedare satteln und los ging´s-wieder zurück nach Merzouga. Kurz vor Ankunft ging die Sonne auf, ich saß auf einer Düne, hinter mir mein Dromedar und war bezaubert, bezaubert vom Sonnenaufgang!

Nach einem Frühstück mit Aussicht auf die Dünen hatten wir nun den gesamten Weg nach Marrakesch an einem Tag vor uns: 18.00h kamen wir am Djemaa El Fna, dem Hauptmarktplatz in Marrakesch an. Da ich kein Hotel vorgebucht hatte, hieß es dann für mich noch Hotel suchen, was aber relativ schnell ging.

Ob sich die ganze Fahrerei gelohnt hat für eine Nacht in der Wüste? Auf jeden Fall!

Bevor ich mir die Sterne in der Sahara anschaute, surfte ich Tamraght. Und nach Marrakesch ging es weiter nach Casablanca, um von dort nach Tansania zu fliegen. Was das alles so gekostet hat, findest du in der Kostenaufstellung für Marokko. Hier die Marokko-Karte mit meiner Route.

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