Und jetzt? Ab in den Busch!? Part 1

Elefant im Tarangire

Eine Safari stand eigentlich nie auf meiner To-Do-Liste, also auf keiner Liste, die ich für die nächsten Monate oder gar Jahre aufgesetzt habe. Was drauf stand war surfen lernen und die Traumstrände von Sansibar entdecken. Als ich zu Haus in Hamburg noch überlegt habe, was ich mit meinem halben freien Jahr anstellen könnte, kam eine liebe Freundin von mir gerade aus Südafrika zurück und entzückte mich mit ihren Safarifotos. Da ich den Reiseführer für Tansania ja eh schon erstanden (ja, Sansibar gehört zu Tansania) und somit alle Infos parat hatte, lag die Entscheidung nahe auf Safari zu gehen. Ich musste gar nicht lange darüber nachdenken, die Idee gefiel mir sofort.

 Recherche nach dem passenden Anbieter

Womit ich nicht gerechnet hätte, waren die horrenden Preise einer Safari in Tansania, nicht zu vergleichen mit Südafrika. Aber der Plan stand nun mal und ich habe nicht umsonst die letzten Monate geschuftet, man muss sich ja auch mal was gönnen, richtig?! Dass es eine Campingsafari werden sollte, stand fest. Zum einen natürlich aufgrund des Preises, zum anderen mag ich campen einfach. Recherchiert man im Internet nach Safarianbietern, kann einem schwindelig werden. Massenhaft Agenturen und Angebote, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll zu suchen. Im Endeffekt habe ich auf 2 bzw. 3 Quellen zurückgegriffen:

  • Tripadvisor.com
  • Safaribookings.com
  • tatotz.org In der Tanzania Association of Tour Operators sind Safarianbieter organisiert, die mehr oder weniger seriös sind. Auf keinen Fall findet man in ihren Mitgliedern Abzocker. Die Tato verlangt von ihren Mitgliedern ein bestimmtes Maß an Qualität ihrer Touren. Auf der Website findet man eine Mitgliederliste.

Ich habe mir eine Excelliste (natürlich!) gemacht, in der ich alle mir gefallenen Angebote unter Berücksichtigung unterschiedlicher Kriterien (Dauer insgesamt, welche Nationalparks werden angefahren, Länge des Aufenthalts in bestimmten Nationalparks, ist ein Schlafsack im Preis inbegriffen, wie viele Leute sind maximal dabei, Bewertungen auf safaribookings.com und Tripadvisor und natürlich der Preis) verglichen habe. Die besten 3 habe ich dann angeschrieben und einfach die Sympathie entscheiden lassen. Da mein Plan so aussah, dass es um Weihnachten herum losgehen sollte, entschied ich mich schon von Deutschland aus die Safari zu buchen. Wenn man etwas flexibler ist und Zeit hat, kann man das aber auch ganz gemütlich vor Ort regeln (wie ich im Nachhinein festgestellt habe). Wenn man erst einmal in Arusha, dem Ausgangspunkt fast aller Safaris, angekommen ist, benötigt man im besten Fall eine halbe Stunde, um eine Safari klar zu machen. Ich entschied mich letztendlich für eine 6-Tages-Camping-Safari mit Africa Travel Tours. Inbegriffen sind 4 Nationalparks:

  • Tarangire National Park
  • Lake Manyara National Park
  • Ngorongoro-Krater
  • Serengeti

Manche denken jetzt bestimmt, dass es eine Art Safari-Ralley war, also die maximale Anzahl an Nationalparks in kürzester Zeit. War es auch, aber nur irgendwie. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir im Stress waren und auch haben wir die Zeit (die hohen Eintrittsgebühren für die einzelnen Nationalparks gelten immer für 24 Stunden) optimal genutzt. Und ganz ehrlich: v.a. im Dezember braucht man im Lake Manyara National Park keine 10 Stunden. Außerdem kommt hinzu, dass ich natürlich so viel wie möglich sehen will. Ich gehe nicht davon aus, dass ich noch einmal in diese Gegend der Welt komme, naja, vielleicht, wenn mir doch irgendwann mal danach ist den Kilimanjaro zu besteigen.

Und um´s vorweg zu nehmen: es war eine goldrichtige Entscheidung!

Im zweiten Abschnitt des zweiten Teils der Buschreihe findest du eine ausführliche Beurteilung des Anbieters.

 Von Marokko nach Tansania

Nachdem ich surfen gelernt und mir den Sternenhimmel in der Sahara angeschaut habe, verbrachte ich noch einen halben Tag in Marrakesch und nahm am Nachmittag den Zug nach Casablanca, weil von dort mein Flieger nach Tansania startete: am nächsten Morgen

Candy nach 24 Stunden wach sein

Candy nach 24 Stunden wach sein

gegen 10:00h ging der Reisemarathon dann los. Erst mit dem Zug von Casablanca zum Flughafen. Warten. Flug nach Kairo. Warten. Flug nach Dar Es Salaam. Warten (ganze 7 Stunden). Flug zum Kilimajaro Airport. 1,5 Stunden Autofahrt nach Arusha. Nach rund 30 Stunden auf den Beinen saß ich in einem kleinen Safaribüro in Arusha und wollte nur eines: schlafen! Doch stattdessen saß ich in diesem Büro und wartete auf Shabani, dem Besitzer von African Travel Tour, denn er wollte mit mir den Ablauf und alles Organisatorische besprechen. Nach 40 Minuten tauchte er endlich auf. Ich bat ihn, alles kurz zu halten, er versuchte es zumindest. Nach einer weiteren Stunde war ich dann endlich in meinem Hotel, duschte, aß mein erstes Tansanisches Essen und war gegen 19.30h im Bett verschwunden.

 Bargeld abheben in Tansania ist so eine Sache

Am nächsten Morgen ging es mir fabelhaft. Shabani holte mich 8.00h ab, da wir das Finanzielle auf den Morgen verlegt haben und fuhren zur Bank. Den Maximalbetrag, den man aus Tansanischen Bankautomaten ziehen kann, sind 400.000 Tansanische Schilling, ca. 170€. Da ich aber über 2.000.000 TZS zahlen musste, machte ich mich schon mal auf eine längere Wartezeit gefasst. Als beim 4. Abheben der Geldautomat streikte, ging ich an den Automaten daneben, vielleicht war das Geld alle, passiert ja in Asien auch alle naselang. Doch auch an dem ATM bekam ich kein Geld mehr. Erst als mich eine SMS meiner Bank erreicht, dass ich die maximale Anzahl an Abhebungen für heute erreicht hatte, klingelte es: nach 3 Mal Abheben ist Schluss, bis morgen. Immerhin war ich schon Millionär mit 1.200.000 TZS in der Tasche, ca. 510€. Das Nachzählen macht da auch keinen Spaß, glaubt mir. Die größten Scheine sind 10.000er, da dauert das auch mal ein bisschen. Aber wir sind ja in Afrika, Hakuna Matata (Es gibt keine Probleme)! Wir einigten uns so, dass ich seinem Fahrer am darauffolgenden Tag die restliche Summe gebe.

 Tarangire National Park

Kurz vor 9.00h wieder im Hotel angekommen, schnappte ich mir nur meine Sachen und ab ging´s mit der lustigen Reisetruppe bestehend aus 2 Niederländerinnen, 2 Israelis, 1 Spanier, der gerade 3 Monate in einem Massai-Dorf lebt und mir, der Deutschen. Dazu kam noch Sam, unser truppeneigener Koch und Isaac, unser Fahrer und Guide.

Safari-Gruppe

Safari-Gruppe

Da dies mein wirklich erster Tag in Tansania war, den Vortag kann man nicht mitzählen, staunte ich einfach nur über die Landschaft und das Treiben auf und um der Straße herum. Ich dachte immer, die leuchtend roten Coca Cola Häuser in der Afrikanischen Sandlandschaft existieren nur im Fernsehen! Ha! Weit gefehlt! Ganze Straßenzüge sind in Coca-Cola-rot bemalt, dazwischen auch mal Pepsi-blau und eine Afrikanische Teemarke – herrlich! Kuhherden, wohin das Auge blickt, von Kindern gehütet oder von Massai in ihren roten Roben. So ärmlich auch alles aussah, eins hatten alle Menschen gemeinsam: das Handy in der Hand. So staunte und staunte ich, bis wir irgendwann am Eingang des Tarangire National Park standen. Und das Staunen sollte nicht aufhören. Das Dach unseres 6 sitzigen Safarijeeps hochgeklappt, standen wir die Fahrt über und hatten die beste Sicht auf Antilopen, hunderte Elefanten, Giraffen, Bäume dessen Früchte wie große Leberwürste aussehen, die grüne Landschaft, die Flüsse, überwältigend!

Nach einer Picknickpause mit klauenden Affen ging es weiter – das Staunen. Noch mehr tolle Landschaft, noch mehr Giraffen, Elefanten und komische Bäume. Irgendwann verließen wir dann den Park und brachen zu unserem ersten Campingplatz mit dem schönen Namen Panorama Campsite auf . Und der Name hält, was er verspricht! Völlig überraschend wurden uns dort Schlüssel in die Hand gedrückt und wir durften unsere kleinen Häuser beziehen, die aus zwei Betten bestanden.

Wenn man mit Zelten rechnet, ist das wirklich toll! Nein, auch so sind diese kleinen Häuschen toll. Auch die Sanitäranlagen waren gut und sauber, es gab sogar Wifi hier. Und das allerbeste: auf dem Campingplatz gibt es einen View Point mit atemberaubender Aussicht, darunter auch auf den Lake Manyara. Diesen haben wir aber erst am nächsten Morgen entdeckt und planten dann schon mal den Sonnenaufgang an unserem letzten Morgen der Safari dort gemeinsam anzuschauen. Beim Abendessen, das uns Sam zauberte und wirklich ein würdiges Weihnachtsessen war, verabschiedeten sich die beiden Holländischen Mädels und dafür kam Miki, eine liebenswürdige Japanerin mit lauten Kicheranfällen. Nicht dass wir an diesem Tag schon genug Tiere gesehen hätten, gesellte sich ein Skorpion an unseren Tisch, den die Guides dann erst mal gemeinsam besiegten (ist gefährlich so ein Skorpion!)

Skorpion am Essenstisch

Skorpion am Essenstisch

  Serengeti National Park

Am nächsten Morgen ging es erst gegen 9.00h los. Ich schätze, damit wir nicht allzu früh im Serengeti Park sind, denn davon hängt es ab, wie lange man bleiben kann (ein Ticket ist 24 Stunden gültig). Nach ca. 20 Minuten Fahrt hörte die Teerstraße auf und eine Schotterpiste begann, die sich nicht wieder in eine Teerstraße verwandeln sollte. Um in den Serengeti Park zu kommen, muss man schon mal durch die Ngorongoro Conservation Area durch, also sahen wir schon auf der Fahrt eine Menge Tiere wie Zebras, Büffel, Antilopen, und und und.

Hunderte Zebras zwischen Serengeti und Ngorongoro

Hunderte Zebras zwischen Serengeti und Ngorongoro

Wir passierten zwei Eingangstore (längere Wartezeiten einkalkulieren, um Tickets zu kaufen), einmal vom Ngorongoro, einmal von Serengeti und dann waren wir da und das Staunen wurde nur noch größer! Dieses Mal nicht wegen der Tiere, hier sahen wir nicht so viele, sondern eher wegen der Landschaft, die sich doch sehr vom Tarangire unterscheidet. Tarangire ist grün, voll Gras und Bäumen und der Teil der Serengeti, den wir an diesem Tag zu Gesicht bekamen, war der aus dem TV: roter Sand, Staub, Schirmakazien (diese typischen Afrika-Bäume) überall. Dann war es auch schon wieder Zeit zum Zeltplatz zu fahren und unsere Nachtlager aufzubauen. Wir waren direkt in der Serengeti untergebracht, auf einem Campingplatz namens Nyany. Die Sanitäranlagen waren widerlich, leider war draußen pullern aufgrund der wilden Tiere und fehlenden Zäune zu gefährlich. Sam bereitete wieder ein tolles Abendmahl und danach setzten wir uns vor unsere Zelte und spielten „Who-Am-I?“ ohne Post-it´s. Am nächsten Morgen ging das Staunen dann wieder aufgrund der Tiere los: Millionen Antilopen, Zebras, Elefanten, Affen, Flusspferde, Giraffen, Löwen auf der Erde, Löwen im Baum, Leoparden und immer, wirklich immer dazu eine Prise Wind um die Nase und eine grandiose Aussicht auf die Landschaft!

Am Abend völlig verstaubt, hundemüde und überglücklich auf dem Zeltplatz angekommen, gab es Abendbrot und ich freute mich schon auf meinen Schlafsack, als auf einmal eine Gruppe Elefanten unseren Zeltplatz besuchte. Um den Zeltplatz gibt es nicht einen Zaun, es sind keine Hecken als Absperrung oder ähnliches gepflanzt, daher konnten die Dickhäuter mal eben so Zentimeter neben den Zelten grasen. Der Franzose hat nicht schlecht geguckt, als er aus seinem Zelt gestiegen kam, vermutlich nur um mal auf´s Klo zu gehen und ein paar Elefanten neben sich hatte. Dank des Vollmondes konnten wir auch ohne Licht die Geschehnisse bestens beobachten. Die Guides interessierte das alles sehr wenig, ich hätte mich schon sehr über ein paar Benimmregeln für diesen Fall gefreut, nun ja. Die erste Stunde mit den Elefanten stand ich nur da und habe gestaunt. Ich dachte, ich würde die Nacht nicht überleben und habe immer respektvoll Abstand gehalten, wenn sie näher kamen. In der zweiten Stunde ihres Besuchs war ich dann schon relaxter, hab mich auch mal näher ran gewagt. Kurz nach Mitternacht war die Show dann zu Ende. Eine zweite, nicht so angenehme Show begann mit der Ankunft der Elefanten. Man konnte deutlich an den Gesichtern einiger Safari-Teilnehmer ablesen, ob sie einen starken Magen hatten oder eben auch nicht. Die hygienischen Zustände in der Küche waren jetzt nicht einwandfrei, es wurde dort geraucht, geschlafen, gelebt und die Zutaten lagen ja nun auch schon ein paar Tage bei 35 Grad rum, Kühlschränke gibt´s hier nicht, wir waren froh, wenn wir ein wenig Licht aus den Solarleuchten hatten. Ich sah eine Frau auf Klo rennen, eine andere aus dem Zelt kotzen, das zog sich so fort, bis zum nächsten Morgen. Dieser begann für uns 4.45h, denn wir wollten eine Sonnenaufgangstour machen und da muss man nun mal früh aufstehen. Und es hat sich gelohnt!!! Eine Herde Elefanten (vielleicht die von letzter Nacht) bevölkerte unseren Jeep und schaute sich den Sonnenaufgang mit uns gemeinsam an. Es ging weiter mit Affen, Flusspferden, Giraffen, dem üblichen. Nach einem ausgiebigem Brunch auf dem Zeltplatz packten wir unsere Sachen und machten uns auf zum Ngorongoro Krater.

Die letzten beiden Nationalparks und viele weitere kleine Geschichten folgen im zweiten Teil und eine Kostenaufstellung für Tansania mit Sansibar gibt´s auch noch.

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