Ein Liebesbrief an mich

Liebesbrief an Candy

Liebe Candy,

seit über 2 Monaten bereisen wir nun zusammen die Welt. Und ich muss dir sagen, es gefällt mir ausgesprochen gut, also das Reisen und das mit dir. Wir haben zusammen surfen gelernt und die Sterne in der Sahara bestaunt, haben die wildesten Tiere in Tansania gesehen und an den schönsten Stränden Sansibars ein Bierchen getrunken. Wir haben uralte Ruinen und Tempel in Sri Lanka besucht, sind dort an den besten Surfspots der West- und Südküste gesurft. Die Züge in Sri Lanka waren unser zweites Zuhause, das leckere Kottu unser Käsebrot.

Und es liegt noch so ungemein viel vor uns, das waren gerade mal die ersten beiden Monate! Du würdest jetzt sagen, es ist schon ein Drittel der Zeit vorbei, es bleiben nur noch 4 Monate, aber ich war ja schon immer die Positive von uns beiden.

Nun liegen wir die nächsten Tage an einem tollen Strand von Koh Chang in Thailand, um unsere Batterien wieder aufzuladen, das bisher Erlebte zu verarbeiten.

Ich liebe es mit dir zu reisen! Du lässt alles auf dich zukommen, nimmst den Weg, der dir am hübschesten erscheint und kostest alles, was interessant für dich aussieht. Du sprichst Fremde, seien es Touristen oder Einheimische, einfach so und ohne Furcht an, fragst nach dem Weg und ihrem Befinden. Das bewundere ich an dir, ich könnte das nicht, dazu fehlt mir der Mut.

Das ist einer von 10.000 Gründen, warum ich dich liebe.

Du wirst meiner Liebe nicht entgehen

Du wirst meiner Liebe nicht entgehen

Wenn wir auf Unterkunftssuche sind, ist es mir manchmal ein bisschen zu viel. Nach einer langen Anreise hast du immer noch die Lust und Energie die beste Unterkunft für uns zu suchen. Ich würde am liebste die erste Verfügbare nehmen, weil ich so kaputt bin und unheimlich gerne duschen möchte. Ich weiß aber, warum du auch nach 1 Stunde Zimmer und Bungalows angucken und Preise vergleichen immer noch andere sehen willst: du willst, dass wir es gut haben, dass wir uns wohlfühlen und nicht in der erstbesten Absteige mit Schimmel an den Wänden, Tieren im Bett und einer nicht funktionstüchtigen Klospülung landen. Du machst das alles für uns und auch dafür liebe ich dich.

Die gemeinsamen Erinnerungen an das bisher Erlebte werden uns für immer zusammen schweißen, auch wenn sich mal etwas oder jemand zwischen uns stellen sollte.

Kannst du dich noch an Marrakesch erinnern, an die unangenehme, ja schon fast brenzlige, Situation in der Medina? Man, da sind unsere Herzen aber schon in unsere Hosen gerutscht! Oder an den Ritt auf den Dromedaren? Wie ich Shabani die Meinung gesagt habe und wir dafür eine freie Fahrt zum Flughafen bekommen haben? Wie wir die erste Nacht auf Sansibar im Freien schlafen mussten, weil das Gästehaus unsere Buchung verbasselt hatte? Wie wir 7 Stunden in Dar Es Salaam auf den nächsten Flug gewartet haben? Wir waren hundemüde, haben uns aber nicht getraut zu schlafen aus Angst unsere Sachen würden geklaut. Haha, jetzt im Nachhinein ist es lustig. Weißt du noch, wie die Polizei in Sri Lanka mich beim Rauchen im Zug erwischt hat? Wie wir versucht haben den nervenden Typen des Gästehauses in Negombo los zu werden, weil er so aufdringlich war? Wie wir Delfine und einen Wal in Mirissa und Meeresschildkröten direkt vor uns in Polhena gesehen haben? Wie wir den Sri Lankischen Kokosschnaps und den Whisky gekauft und dann vernichtet haben? Wir in Bangkok beim Frisör saßen mit ganz viel Angst, weil die liebe Frau 30 Zentimeter mehr abgeschnitten hat, als sie sollte? Wie wir deinen 30. Geburtstag zelebriert haben? Wie sich die scharfen Gerichte auf der Zunge anfühlen oder die süße Mango von heute Mittag?

Das alles mit dir erleben zu dürfen, ist wunderbar!

Genauso wunderbar finde ich es mit dir gemeinsam neue Leute kennenzulernen: Lisa*, Linda*und Lea* aus dem Surfcamp, die dir den ersten Abschiedsschmerz beschert haben oder Steven*, mein erster Urlaubsflirt auf unserer Reise. Die netten Damen und Herren im Flieger, die tolle Safarigruppe. Oder Anna*, die uns nach Sansibar gefolgt ist und Cathrine*, der wir immer mal wieder über den Weg gelaufen sind. Die intensivste Begegnung hatten wir mit Lukas*, den wir in Marokko kennengelernt haben und der uns in Sri Lanka besucht hat.

Ich weiß, dass du ihn sehr vermisst, doch das gehört zum Reisen dazu, meine Liebste. Man trifft Menschen, mit denen man auf Anhieb eine Verbindung hat, auf einer Welle surft, man hat eine tolle, aufregende, einmalige Zeit und dann, dann ist es einfach vorbei. Ich liebe dich dafür, dass du Menschen in dein Herz lässt, offen bist, dich nicht verschließt. Du weißt, ich bin da ganz anders. Und ich liebe dich dafür, dass du nach Abschieden weinst, aber du musst loslassen mein Schatz, weiter reisen, in die Zukunft, nicht in der Vergangenheit schauen. Ich hasse es, dich so traurig zu sehen, v.a. auf DER, unserer Reise. Du versuchst zwar, es zu überspielen und dir nichts anmerken zu lassen, aber ich kenne dich, sehr gut sogar. Doch so bist du nun mal: hast du mal einen Menschen in dein Herz geschlossen, was für diesen wahrlich nicht einfach ist zu erreichen, lässt du ihn da auch so schnell nicht wieder heraus.

Eines deiner Lieblingslieder ist „Just Another Girl“ von The Killers:

All of my friends say I should move on.

She’s just another girl, don’t let her stick it to your heart so hard.

And of all my friends say it wasn’t meant to be

And it’s a great big world, she’s just another girl.

Ich weiß: du holst nun die eine Zeile raus, die den ganzen anderen Text zunichte macht:

Well maybe all of my friends should confront

The fact that I don’t want another girl

Trotzdem steckt in dem Teil des Liedes, welches ich meine, ein bisschen Wahrheit und ich weiß, dass du das auch weißt.

Auch dafür liebe ich dich: deine Schwächen, deine süßen, manchmal zum Haare raufenden Schwächen, wie eben nicht loslassen können, immer über alles tausend Mal nachzudenken, deine Unfähigkeit mal den Kopf auszuschalten oder Motorroller zu fahren, deine Faulheit und deine schlechte Laune, wenn du morgens mal keinen Kaffee bekommst.

Ich werde dich in den nächsten Tagen noch mehr lieben, als sonst schon, damit du schnell wieder du bist. Ich mache mir darüber auch keine großen Sorgen. Ich weiß, dass das klappt, denn du bist stark, du hast schon Schwierigeres gemeistert. Du brauchst nur ein bisschen Zeit, um über alles hinweg zu kommen.

Liebesbrief an Candy

Liebesbrief an Candy

Und du hast mich!

In ewiger Liebe

Candy

 

 

*Namen sind von mir, Candy, geändert und haben keine Ähnlichkeit zur Realität.

**Die Inspiration zu diesem Beitrag kam durch ein fantastisches Buch: „The Last Letter From Your Lover“ von Jojo Moyes.

Advertisements

2 Gedanken zu “Ein Liebesbrief an mich

  1. Ach schöööööönn!!!

    Wenn man nicht mit sich selbst glücklich ist, mit wem dann? In meinem Auslandsjahr in irland, habe ich mich selbst viel besser kennen..und ja auch lieben gelernt. Das ist viel wichtiger als man denkt. So einen Brief habe ich mir damals nicht geschrieben…aber vielleicht hole ich das nach. 🙂

    Liebe Grüße Janine

    Gefällt 1 Person

    • Hi Janine,

      schön, dass dir der Brief gefällt.
      Ich kann dich nur ermuntern auch mal einen Liebesbrief an dich selbst zu schreiben 😉 Mir hat es unglaublich geholfen mit Zweifeln und schlechten Gedanken zurecht zu kommen.
      Und außerdem hat´s mir gezeigt, dass ich mich sehr gut leiden mag 😉

      Liebe Grüße
      Candy

      Gefällt mir

Was meinst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s