Sind das da Särge an der Felswand?

Wer an die Philippinen denkt, hat sicherlich gleich ein Bild im Kopf: einen traumhaft weißen Strand, türkisfarbenes Meer, Kokospalmen und ein paar bunte Fische und Schildkröten unter Wasser. Ich muss zugeben, das habe ich auch immer im Kopf gehabt. Als ich dann meinen Flug nach Manila gebucht und mich das erste Mal eingehender mit dem Inselstaat befasst habe, stellte ich schnell fest: klar, überwiegend liest man in den Reiseführern und auf den Blogs über tolle Strände, einsame Buchten und atemberaubende Unterwasserwelten. Aber die Philippinen haben noch mehr zu bieten, viel mehr als Meer.

Schon mal von Sagada gehört? Oder Banaue oder Batad? Alles Orte im Hochland der Hauptinsel Luzon (der Insel, auf der Manila liegt) mit interessanten Dingen zu entdecken, Landschaften zu erkunden und dunklen Höhlen zu erforschen.

Doch eins nach dem anderen: Nachdem ich von Hanoi via Nachtflug morgens 6.00h in Manila gelandet bin, habe ich mich gleich in ein Taxi Richtung Pasay Busterminal gesetzt. Tipp: nicht die Airport-Taxis vor der Ankunftshalle nehmen, die wollen den 5-fachen Preis (kein Witz). „Normale“ weiße Taxis findet man im 2. Stock vor der Abflughalle. Meine Internetrecherchen zu Busverbindungen auf den Philippinen haben ergeben, dass es zwecklos ist darüber Internetrecherche betreiben zu wollen. Daher bin ich auf gut Glück nach Pasay zum Busterminal von Partas (Manila besitzt keine/n zentralen Busbahnhöfe) und habe mich dort in einen Bus nach San Juan (La Union)an die Westküste gesetzt, eigentlich um zu surfen. Nachdem ich in Marokko

Strandtag in San Juan (La Union)

Strandtag in San Juan (La Union)

und Sri Lanka gesurft bin, kann ich es gar nicht mehr abwarten neue Spots zu entdecken und wieder auf den Wellen zu stehen. Da dort aber keine Wellen waren (ja, so ist das Surferleben manchmal), verbrachte ich einen chilligen Tag am Strand und wollte mich zum nächsten Surfspot „Baler“ (Aurora) an der Ostküste aufmachen. Da das Reisen auf den Philippinen etwas ganz anderes ist, als im Rest von Asien, viel länger dauert und auch beschwerlicher ist, wollte ich auf dem Weg von der West- zur Ostküste einen Zwischenstopp machen. Ich hatte vom sogenannten 8. Weltwunder in Banaue und den hängenden Särgen in Sagada gelesen, die „fast“ auf dem Weg liegen. Während ich das schreibe, falle ich fast um vor Lachen, weil ich nun weiß, dass es mal überhaupt gar nicht auf dem Weg liegt.

Morgens 7.30h nahm ich dann also einen Jeepney (Sammeltaxi) in San Juan, das mich bis nach San Fernando (La Union) gebracht hat. Von dort ging´s ab in den Bus nach Baguio. In dieser Großstadt angekommen, musste ich ein letztes Mal umsteigen, um nach Sagada zu kommen. Da der Bus 11.30h leider schon ausgebucht war (ein Hoch auf online Buchungen), wartete ich dann auf den 13.00h Bus. Diese Fahrt war die erste in meinem Leben, die ich mit Anti-Brech-Tabletten machen wollte. Schon auf der Fahrt von San Fernando nach Baguio war mir schlecht, und ich bin sonst nie reisekrank! Also ab in die nächste Apotheke, ich hatte ja genügend Zeit. Gut, dass die Filipinos überwiegend Englisch sprechen, in Vietnam hätte ich wohl keine Reisetabletten bekommen. Die Fahrt von Baguio nach Sagada war atemberaubend schön! Sagada liegt auf 1.600m und ist nur 100km von Baguio entfernt, trotzdem benötigt man für diese Strecke mindestens (!) 6 Stunden. Ich sag nur, die 762 Kurven nach Pai sind nichts dagegen! Wir sind durch die Wolken gefahren, an Abgründen vorbei, die Luft wurde immer dünner und kühler, bis ich nach insgesamt 12 Stunden Fahrt endlich in Sagada angekommen bin. So viel zum Thema, Sagada liegt ja auf dem Weg.

Natürlich war es schon stockduster. Die Unterkunftssuche lief ziemlich reibungslos ab: ein Gästehaus angeschaut und genommen! Tipp: Isabelo´s Inn: super zentral, sauber und nette Besitzer. Ein Einzelzimmer ohne Fenster und mit Gemeinschaftsbad bekommt man dort schon für 300P (6€). Ich habe mich für die Luxusvariante mit Balkon und eigenem Bad entschieden und nach Verhandeln 500P (10€) bezahlt.

Im Gästehaus habe ich dann auch gleich jemanden getroffen, mit dem ich etwas essen war und für den Folgetag zwei Touren geplant habe: die Cave Connection, von der ich keine Ahnung hatte, was das ist, und die Tour zu den hängenden Särgen, wofür ich ja eigentlich nur nach Sagada gekommen bin. Höhlen hatte ich eigentlich in Vietnam schon genug, aber mein Gegenüber war so davon angefixt, da konnte ich nicht widerstehen – zum Glück!

Am nächsten Morgen ging es dann los: an der Touristeninformation muss man zum einen eine „Environmental fee“ i.H.v. 35P (0,67€) zahlen und zum anderen den Guide für die Cave Connection buchen, was mit 800P (16€) für 2 Personen zu Buche schlägt. Unser Guide fuhr uns nacheinander (warum auch immer, sonst fahren auch mindestens 5 Menschen und ein Hund) mit dem Moped durch das ganze Dorf, fast bis zum Eingang der Lumiang Cave. Gefühlte 100 Treppen weiter abwärts entzündete der Guide, dessen Name mir leider entfallen ist, seine Gaslampe, ohne die wir in der Höhle die eigenen Hände vor unseren Augen nicht gesehen hätten. Und dann ging´s ab: durch Löcher, durch die ich mit meinem kleinen Rucksack nicht gepasst habe, also erst mal

Höhleneingang zur Lumiang Cave

Höhleneingang zur Lumiang Cave

Rucksack voraus werfen und dann ich hinterher, kriechend und schwimmend, stellenweise mussten wir auf die Schultern und Knie unseres Guides steigen, um weiter zu kommen. An 3 bis 4 Stellen in der Höhle dachte ich, ich sterbe jeden Augenblick. Meine Chucks noch nass, denn wir mussten durch hüfthohes Wasser, rutschten auf dem Untergrund wie auf Eis, hinter mir ein Abgrund, keine Ahnung wie tief, es war ja stockduster. Nach 2 Stunden erreichten wir endlich die Connection, vollgepumpt mit Adrenalin. Wir waren nun in der Sumaging Cave, die überfüllt mit philippinischen Touris war, die sich über Steine kaputt gelacht haben, die wie Geschlechtsmerkmale aussehen – hat nicht fast jedes Land solche Steine, Felsen, Berge? Nach 2,5 Stunden sahen wir dann endlich wieder Tageslicht. Auch wenn der Abschluss in der Sumaging Cave nur so semi war, waren die ersten zwei Drittel der Höhlenkletterei der Wahnsinn! Das war mal wirklich ein Abenteuer, Baby!  Ach, und der Guide hat die gesamte Tour, die die meisten Westler mit hyperteuren Trekkingschuhen machen, in Flip Flops absolviert.

Schweißtreibende Kletterpartie

Schweißtreibende Kletterpartie

Ich würde die Cave Connection nicht jedem empfehlen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese so auch in Thailand, Vietnam oder Kambodscha aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden dürfte. Außerdem muss man durch schmale Löcher, man darf keine Platz- und keine Höhenangst und keine Angst im Dunkeln haben. Und dazu müsste man noch ein bisschen fit sein. Ich fand´s großartig und war nur froh, dass ich darüber vorher nichts im Netz gelesen habe, sonst hätte ich es, glaube ich, nicht gemacht. Zurück im Gästehaus habe ich noch 2 Mädels getroffen, die völlig fertig von der Tour kamen und auch nach der Hälfte aus einem Nebenausgang raus sind, weil sie nicht mehr konnten.

 

 

Mein Tourpartner und ich gönnten uns eine kleine Verschnaufpause und stärkten uns, bevor es zu

Die hängenden Särge von Sagada im Echo Valley

Die hängenden Särge von Sagada im Echo Valley

den hängenden Särgen ins Echo Valley ging. Dieser Trip dauert auch noch einmal 2 Stunden. Die Bewohner Sagadas begraben ihre Toten nicht, sondern hängen die Särge an den Felswänden auf oder stapeln sie in den Höhlen rund um Sagada. Die Särge sind bis zu 1,80m lang und bis zu 100kg schwer. 2010 gab es ein schweres Erdbeben in der Region, viele Särge fielen von den Felswänden und aus den Höhlen, öffneten sich und legten die Knochen frei. Auf dem Weg zu den Särgen, die noch hängen, findet man keine Knochen mehr. Diese wurden eingesammelt und traditionell begraben (Sagada hat auch einen ganz normalen Friedhof), nachdem Touristen Teile der umherliegenden Schädel und menschlichen Überreste als Souvenirs mitgenommen haben. Wie krank muss man sein? Das ist auch der Grund dafür, dass man jetzt einen Guide buchen muss, um die hängenden Särge zu besichtigen. Die offenen Särge, die frei liegenden Knochen und Schädel kann man aber immer noch finden, wenn man das denn überhaupt will. In ein paar kleinen Höhlen auf dem Gelände sind diese noch zu sehen. Früher oder auch heute noch, dachten die Einwohner, dass die Seele des Toten unter der Erde erstickt, daher die hängenden Särge. Doch nicht jeder kommt heute noch an die Wand: Man muss u.a. einer der Ältesten in Sagada sein, verheiratete Kinder haben, zu Lebzeiten einmal geäußert haben, dass man dort „aufgehangen“ werden möchte und noch ein paar andere Kriterien erfüllen. Da wundert es nicht, dass das letzte Begräbnis an den Felsen schon 6 Jahre her ist.

Nahe der Sumaging- sieht man in einer anderen kleinen Höhle noch einmal viele Särge – alle von Frauen, die bei der Geburt eines Kindes gestorben sind, schwere Kost!

Trotzdem oder gerade deswegen ist Sagada so ein interessanter Ort.  Wer von der traumhaften Umgebung noch nicht genug hat, kann noch viele andere Wanderungen unternehmen, u.a. zu Wasserfällen, einem unterirdischen Fluss, den Reisterrassen oder kleinen Bergdörfern. Oder man genießt mal einen Tag die frische gute Luft und läuft dort von Restaurant zu Café und liest ein tolles Buch im Grünen.

Das war mein Tag in Sagada – unvergesslich, einmalig, absolut der Hammer und empfehlenswert!

Wer Fragen oder Anregungen zu etwas hat, immer her damit, entweder in die Kommentare oder an Candy@BinIchSchonDa.com

Kostenaufstellung:

  • Jeepney San Juan – San Fernando:  11P (0,21€)
  • Bus San Fernando – Baguio: 98P (1,87€)
  • Bus Baguio – Sagada:  ca. 400P (7,62€)
  • Anti-Brech-Pillen aus der Apotheke: 125P (2,38€)
  • Deluxe-Zimmer im Isabelo´s Inn: 500P (9,53€)
  • Chicken Adobo mit Bier: 230P (4,38€)
  • Frühstück im Yogurth House: Banana-Pancake mit Yogurth und Erdbeeren: 200P (3,81€)
  • Cave Connection Tour: 400P (7,62€) (800P insgesamt)
  • Echo Valley Tour: 100P (1,90€) (200P insgesamt)
  • Leckeres Abendbrot im Strawberry Café mit Bier: 200P (3,81€)
  • Hier gibt es eine Kostenaufstellung für die gesamten Philippinen

Tipps & Links:

  • In Hotels, Hostels, Homestays, Gästehäusern immer handeln! Wem eine ungesicherte Unterkunft nichts ist und lieber vorbucht, dem empfehle ich im asiatischen Raum eher Agoda, als Booking, da  es dort mehr Auswahl und bessere Preise gibt. Ich bin auch noch auf travelbook.ph gestoßen, habe aber keine Buchung und damit keine Erfahrungen mit diesem Portal gemacht.
  • Es fährt ein Bus direkt von Manila nach Sagada und zwar mit der Gesellschaft Codalines, was auf Pinoytravel.com.ph auch noch online buchbar ist: 12 Stunden für 720P (13,74€)
  • Pinoytravel.com.ph ist im Allgemeinen eine gute Seite, um sich über Busse, Gesellschaften, Preise und Fahrtdauer zu informieren. Aber lange nicht alle Busunternehmen sind auf diesem Portal.
  • Mit den Leuten reden hilft! Die Philippinos sind so ein liebes und freundliches Völkchen. Einfach jeden den man trifft nach dem Weg fragen und schon kommt man irgendwie und v.a. mit viel Spaß  zu seinem Ziel – versprochen!
  • Schaut euch zur Vorbereitung die Philippinen-Fakten an

Karte:

 

Fotos:

 

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2 Gedanken zu “Sind das da Särge an der Felswand?

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