Gibt es das 8. Weltwunder?

Reisterrassen von Banaue

Die Philippinen haben doch nur Strände zu bieten, oder? Paah! Schon mal von den hängenden Särgen in Sagada gehört? Die Philippinen haben noch viel mehr zu bieten, darunter sogar 2 Weltwunder! Bei den Weltwundern unterscheidet man die 7 Weltwunder der Antike, die 7 neuen Weltwunder und die Weltwunder der Natur, also die, die nicht durch Menschenhand erschaffen wurden. Die Philippinen haben 1 Weltwunder der Natur – den unterirdischen Fluss im Puerto Princesa Subterranean River Nationalpark auf Palawan – und die Reisterrassen von Banaue auf Luzon, die von der hiesigen Tourismusbehörde als 8. Weltwunder angepriesen werden.

Das hat mich neugierig gemacht, also bin ich mal „schnell“ von Sagada nach Banaue gedüst, um es mir anzuschauen. Es sind nur 64km zwischen den beiden Orten aber 4,5 Stunden! Da es keinen öffentlichen Bus von Sagada nach Banaue gibt, nimmt man dann halt die günstigen Jeepneys. 8.30h ging´s mit dem ersten Jeepney  40 Minuten nach Bontoc, wo ich 1,5 Stunden auf den nächsten Jeepney gewartet habe, damit genug Leute für eine Fahrt zusammen kommen. Als dann endlich 10 Passagiere zusammen kamen, ging es noch einmal 1,5 Stunden mit atemberaubenden Aussichten die Berge hoch und runter. 13.00h war ich dann endlich in Banaue. Auch vor dieser Fahrt habe ich mal wieder eine meiner neuesten Anschaffungen eingeschmissen: eine Anti-Reisekrankheits-Pille. Ich habe ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung, was mir der junge Mann da in der Apotheke in Baguio gegeben hat, aber es wirkt, ob nun Placebo oder eben nicht – auch egal, oder?

Nun ja, neuer Ort heißt: neue Unterkunft suchen. Die Touristeninformation sagt, dass das Green View die günstigste Unterkunft sei, alles klar! Dann mal los zum Green View! Nach 5 Minuten hatte ich mein Zimmer mit Gemeinschaftsbad und grandiosem Ausblick vom Gemeinschaftsbalkon über die Reisterrassen für unschlagbare 250P (4,76€), da habe ich mich sogar schon nicht mehr getraut zu handeln. Nach einem netten Plausch mit einer Japanerin, die schon seit 5 Jahren reist (5 Jahren!!!), habe ich mich erst einmal zum Mittag essen in eine lokale Eatery gemacht, typisch philippinisch: Reis, Gemüse und Hühnchen (Chicken Adobo) für 100P (1,91€) – kann man nicht meckern.

Als ich mir mein Hühnchen schmecken lies, setzt sich ein Filipino zu mir und fängt an zu schnacken. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war er Tourguide und stellte mir dann auch erst mal seine gesamte Palette vor – ich konnte ja nicht weglaufen. Die 2-Stunden-durch-die-Reisterrassen-Tour hört sich gut an. Ein bisschen verhandelt und schon geht es mit einem Tricycle (ein philippinisches TukTuk) zum 5km entfernten Viewpoint, von dem man einen grandiosen Ausblick auf die wunderschönen Reisterrassen hat. Schon alleine dieser Anblick sind mir die 500P (9,53€) wert, die für die gesamte Tour anfallen. Ich wollte dort gar nicht weg. Irgendwann drängelte mein Guide – sein Name ist „Lovely“ (natürlich!) – und wir starteten unsere Wanderung durch das 8. Weltwunder.

150 Stufen runter, 120 wieder rauf. Und dann standen wir auf einmal auf den Wänden, die die Reisterrassen bilden. Reisterrassen, die über 2.000 Jahre alt sind, die so, wie sie jetzt noch stehen, vor Jahrhunderten von Menschenhand in die Berge gebaut wurden und auch heute noch instand gesetzt und bewirtschaftet werden. Es ist unglaublich. Einer dieser magischen Augenblicke; wie ich so am

Reisterrassen von Banaue

Reisterrassen von Banaue

Rand einer Parzelle stehe, unter mir unzählige Reisterrassen, mal grasgrün, mal leer, mal goldfarben, mal mit Wasser gefüllt und mal nicht – einfach wunderschön, eine Augenweide! Die Bergvölker nennen ihre Reisterrassen „Stufen zum Himmel“ – passend, wenn man auf 1.500m steht und auf die Wolken hinunter schaut – spektakulär!

Am meisten beeindruckt mich, dass die Terrassen durch nur 1 Fluss bewässert werden. Wenn die obersten Felder vollgelaufen sind, läuft das Wasser in die darunter liegenden und das können bis zu 100 sein! Nicht zu glauben, he? Aber wahr! Ich hab´s mit eigenen Augen gesehen. So wanderten wir dann 4 Stunden anstatt 2 über die Reisterrassen, an Wasserfällen vorbei, balancierten auf den Stützmauern, sprangen über spröde Abschnitte und kühlten unsere Füße im immer irgendwo vorbei fließenden kühlen Nass. Es war einmalig!

Reisterrassen von Banaue

Reisterrassen von Banaue

Das einzige, was dieses wundervolle Ereignis beeinträchtigt hat, war mein Guide. Nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich Single bin, war er davon überzeugt, dass wir zusammen gehören, sprach ununterbrochen von einer gemeinsamen Zukunft, ein Leben in Deutschland und auf den Philippinen und dass  er mir alles kauft, was ich will. Er verriet mir, dass er keine Frau in Banaue bekommen würde, da er keine 10 Kühe und 1 Schwein hat, um die Familie zu bezahlen. Was haben wir daraus gelernt? Mein Freund sitzt zu Hause in Deutschland, geht arbeiten, damit ich mir meine Reisen finanzieren kann und wartet auf mich.

Die letzte Etappe war schon sehr anstrengend muss ich zugeben. Zum einen hatte ich mich ja auch nur auf eine 2-stündige Wanderung eingestellt, zum anderen lag mir noch die Kletterpartie vom Vortag in Sagada in den Knochen. Nachdem wir dann endlich die Hängebrücke überquert haben, quälte ich mich die letzten 50 Stufen zum Dorf hoch. Aber es hat sich mehr als gelohnt, diese Tour gemacht zu haben. Es ist unbeschreiblich einfach nur auf einer dieser Stützmauern ganz oben zu sitzen, den Ausblick zu genießen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und das Leben zu lieben.

Kostenaufstellung:

  • Jeepney Sagada – Bontoc: 40P (0,76€)
  • Jeepney Bontoc – Banaue: 150P (2,86€)
  • Mittagessen in einer lokalen Eatery: 100P (1,90€)
  • Reisterrassen-Tour inkl. Anreise zum Viewpoint mit dem Tricycle: 500P (9,52€) (normal: 700P)
  • Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad im Green View: 250P (4,75€)
  • Bier im Green View: 45P (0,86€)
  • Bier in der Reggae-Bar: 80P (1,52€)
  • Hier gibt es eine Kostenaufstellung für die gesamten Philippinen

Tipps & Links:

  • Auch wenn Touristeninformationen ja irgendwie verpönt sind, ist die in Banaue doch schon zu gebrauchen, v.a. wegen der Liste mit Unterkünften und dazugehörigen Preisen.
  • Nehmt einen Guide von der Straße und verhandelt den Preis, bucht nicht in der Touristeninformation. Wenn ihr euch jetzt fragt, wie man einen Guide auf Banaues Straßen erkennt; die Guides finden euch schon.
  • Geht früh Abendbrot essen, in Banaue schließt alles gegen 21.00h, d.h. die letzte Bestellung wird gegen 20.00h aufgenommen. Sogar die einzige Bar in Banaue, die zwar gemütlich, aber sehr teuer ist, schließt 21.30h.
  • Es fahren Busse direkt von Manila nach Banaue: 9 Stunden Nachtbus für 450P (8,58€) bzw. 530P (10,11€), abhängig vom durchführenden Unternehmen und dem Luxusgrad des Busses.
  • Bucht die Rückfahrtickets nach Manila sobald ihr wisst, welchen Tag ihr zurück wollt, die Tickets sind sehr schnell weg und die Optionen sehr beschränkt
  • Fahrt noch einen Tag nach Batad! Ich habe es nicht gemacht, weil ich es nicht mehr abwarten konnte  endlich zu surfen. Aber jeder, wirklich jeder, den ich getroffen habe, versicherte mir, dass die Reisterrassen dort noch einen Tick spektakulärer sind. Batad kann man von Banaue mit dem Tricycle in 20 Minuten erreichen.
  • Schaut euch zur Vorbereitung die Philippinen-Fakten an

Karte:

 

Fotos:

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