Tattoos auf Reisen? Warum nicht?

Ein Kuss - Niederlande

Souvenirläden oder -stände erregen meine Aufmerksamkeit in fremden Ländern eher weniger. Ich schau sie mir gerne an, meist sind sie ja so schön bunt und jeder Millimeter ist mit Zeugs zugestellt, aber das war es dann auch. Das einzige, was ich mir aus jedem Land mitbringe, ist ein Kühlschrankmagnet. Und manchmal auch ein Tattoo.

Eine winkende Katze aus Japan? Ein Haufen maßgefertigter Klamotten aus Vietnam? Eine Schneekugel aus Wien? Eine Buddhafigur aus Thailand? Eine Ledertasche aus Marokko? Apfeltee aus der Türkei? Eine kleine Freiheitsstatue aus New York? Nein, nein, nein, hab ich alles nicht, dafür aber beispielsweise ein Kleeblatt am Fuß aus Antwerpen und das für immer.

Tattoos sind für mich ganz besondere Souvenirs. Sie spiegeln meine Stimmung an diesem Ort wieder und wenn ich sie nach Jahren des Stechens erblicke, erfreue ich mich immer noch an dem Moment des Reisens, an die Erinnerungen und Gefühle, die sie in mir auslösen. Nicht alle meine Tattoos sind auf Reisen entstanden, aber einige. Ich bin nicht der Typ, der in jedem Tattoo eine urst tiefe Bedeutung sieht bzw. hat. Natürlich bedeuten meine Tattoos etwas, bedeuten mir etwas, lassen mich an wunderschöne oder auch schwere Zeiten zurückdenken und mich lächeln. Ich brauche aber keine monatelange Vorbereitung für ein Tattoo, ich habe so viele Motive im Kopf, die mir gefallen, dass ich jeden Tag zum Tätowierer gehen könnte. Und jeden Tag kommt eine neue Idee dazu.

Wenn ich auf Reisen bin, dann kommt mir es mir manchmal in den Sinn etwas auf meine Haut stechen zu lassen, eine neue Erinnerung auf mir zu schaffen. Mit einem meiner Lieblingsmenschen ist es schon fast zur Tradition geworden, dass, immer wenn wir uns sehen, ein neues Tattoo auf unsere Körper kommt. Da kann jetzt jeder drüber denken, was er möchte. Mich erfüllt und befriedigt es. So sind nun schon insgesamt sieben Tattoos auf Reisen entstanden und eins der anderen, die nicht auf Reisen entstanden sind, hat viel mit dem Reisen zu tun, aber nicht nur.

Wie suche ich mir die Studios aus? Naiv bin ich in keinem Fall. Ich weiß, was es bedeutet, sich ein Tattoo stechen zu lassen und welches Risiko man dabei eingeht. Ein verschandeltes Tattoo oder eine Entzündung sind da noch die kleinsten negativen Konsequenzen, die eintreten könnten, denn auch Aids und Hepatitis können beim Stechen übertragen werden. Ich recherchiere viel im Internet und treffe so ein Vorauswahl von meistens zwei oder drei Studios. Diese schaue ich mir vor Ort alle an und entscheide dann aufgrund des Hygienestandards und der Sympathie, welcher Künstler an meine Haut darf.

 

Mein Tattoo aus Hamburg

Hoffnung aus Hamburg

Hoffnung aus Hamburg

Ja, jetzt wohne ich in Hamburg, das war aber nicht immer so. Vor ungefähr 6 Jahren war ich für ein verlängertes Wochenende in Hamburg mit einem Freund unterwegs und hatte das Bedürfnis mir auf der Reeperbahn bzw. auf dem Hamburger Berg ein Tattoo stechen zu lassen. Bedürfnis gefühlt, getan. So kam ich zu meinem chinesischen Zeichen auf meinem Handgelenk. Jahrelang hatte ich einen kleinen Schiss in der Hose, dass es nicht, wie es sollte, „Hoffnung“ heißt, sondern so was wie „drei Mal Suppe mit Hund, bitte!“. In Kopenhagen traf ich dann vor 2 Jahren eine Chinesin in meinem Hostel, mit der ich mich super verstand und ihr gegenüber den Mut aufbrachte zu fragen. Sie antworte, es hieße so etwas wie, aus dem Fenster schauen und Gutes sehen, also Hoffnung!

 

Ich hoffe nur, dass sie auch ehrlich war und nicht zu verwirrt von unserem Ausflug nach Christiana.

 

Mein Tattoo aus Belgien

Kleeblatt aus Belgien

Kleeblatt aus Belgien

Das Belgische Tattoo stammt aus Antwerpen und ist vor 5 Jahren entstanden, als ich eine liebe Freundin dort besuchte. Was mich trieb, mich dort tätowieren zu lassen? Meine Freundin: sie wollte ein Tattoo, hatte aber Angst allein. So kam ich zu meinem Kleeblatt am Fuß. Warum ein Kleeblatt? Ich bin ein sehr positiver Mensch, offen und herzlich. Wenn mal etwas nicht so tolles passiert, versuche ich trotzdem das Gute darin zu sehen. Ich habe das Glück, die Gabe das meistens auch zu schaffen und auch andere davon zu überzeugen, dass es doch gar nicht so schlimm ist. Außerdem bin ich ein Glückskind, möchte das nicht missen und hab es daher nun immer bei mir.

 

Mein Tattoo aus Österreich

Schlüsselloch aus Österreich

Schlüsselloch aus Österreich

Ein Wientrip im November 2013 endete mit einem Schlüsselloch auf meinen Rippen. Warum ein Schlüsselloch? Weil auf dem Rücken ein Schlüssel liegt. Und wo es einen Schlüssel gibt, da muss es auch das passende Schlüsselloch zu geben. Außerdem strahlen Schlüssellöcher, durch die man gucken kann oder eben auch nicht, immer eine geheime Aura aus. Nichts ist, wie es scheint.

 

Mein Tattoo aus den Niederlanden

Ein Kuss aus den Niederlanden

Ein Kuss aus den Niederlanden

In der süßen Altstadt von Rotterdam traf ich mich mit meinem Lieblingsmenschen und bekam zwei sich küssende Gesichter auf meinen Allerwertesten. Warum? Weil ich das Küssen liebe…

 

Mein Tattoo aus Malaysia

Aquarius aus Malaysia

Aquarius aus Malaysia

Ich verbrachte zwei Monate auf den Philippinen, bevor ich nach Malaysia kam. Malaysia war der Abschluss meiner 7 monatigen Reise. Zumindest dachte ich damals, dass Malaysia der Abschluss sein würde. Ich verbrachte die ersten Tage in Kuala Lumpur und ging dann 2 Wochen in die Cameron Highlands, um dort in einem Hostel zu arbeiten. In der Zeit fehlten mir das Meer und die Wellen so sehr, dass ich es kaum ausgehalten habe. 7 Monate bin ich fast ausschließlich an der Küste entlang gereist und dann zack – Berge. Ich mochte die Cameron Highlands, doch dort ist mir bewusst geworden, wie sehr ich das Meer liebe und ich es zum glücklich und zufrieden sein brauche. Da ich Wassermann bin, habe ich mir in George Town das Zeichen des Aquarius, 2 Wellen, über den Ellbogen tätowieren lassen. Ich wollte dieses Tattoo auch unbedingt in George Town, nicht in Kuala Lumpur, da mich diese kleine Stadt auf Penang so dermaßen inspiriert und in ihren Bann gezogen hat.

 

Mein Tattoo aus Thailand

Herzen aus Thailand

Herzen aus Thailand

Thailand 2014 – eine wunderschöne Reise. In dieser Zeit traf ich einen Mann, der in mir Gefühle auslöste, die ich schon lange verloren geglaubt hatte. Ich dachte mehrere Jahre, dass ich gar nicht lieben kann, dass ich für´s Verlieben nicht gemacht bin. Er zeigte mir bzw. ließ mich fühlen, dass ich im Unrecht war. Das Tattoo, 2 Herzen, steht nicht für diesen Mann – um Himmels Willen – sondern ist eine Erinnerung an mich selbst, dass ich lieben kann. Eine Erinnerung daran, dass nicht alle paar Monate jemand für mich um die Ecke kommt, wie es ja bei vielen zu sein scheint, sondern nur alle paar Jahre.

 

Mein Tattoo von Malta

Palme und Surfbrett von Malta

Palme und Surfbrett von Malta

In einem Beitrag über Malta habe ich ja schon mal erwähnt, dass ich mich dort tätowieren lassen habe. Es war eine Reise mit dem einen Lieblingsmenschen. Ähnlich wie das Zeichen des Aquarius stehen die Palme und das Surfbrett für mein Element: das Wasser. Nur wenn ich eine Palme sehe, nur an den Strand denke, ans Surfen, das Salz auf den Lippen und in den Haaren, dann lächle ich vor mich hin und entspanne mich – einfach so, nur vom Sehen bzw. daran denken. Ich glaube ja immer noch, dass das ein Zeichen an mein Zukunfts-Ich ist. Wir werden sehen…

 

Mein Weltkarten-Tattoo

Weltkarte aus Hamburg

Weltkarte aus Hamburg

Mein Weltkarten-Tattoo stammt von einer lieben Tätowiererin in Hamburg. Natürlich steht bei diesem Werk das Reisen mit im Vordergrund, aber nicht nur. Es gibt auf dieser Karte keine Grenzen, zumindest keine politischen, nur geografische. Wir sind alle Erdbewohner, wir sind alle Menschen, alle gleich, wenn auch unterschiedlicher Herkunft.

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich ist es schwer, die fremden Künstler qualitativ zu beurteilen, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt. Ob es gut oder weniger gut geworden ist, sieht man immer erst hinterher. Manche meiner Tattoos, die ich mir auf Reisen stechen lassen hab, weisen kleine Mängel auf. Zum Beispiel müsste ich die Küssenden von der Tätowiererin meines Vertrauens in Hamburg nachstechen lassen. Aber weißt du was? Dann wäre das Tattoo nicht mehr dasselbe, dann würde es für mich nicht mehr dieselbe Bedeutung haben. Dann wäre das Gefühl ein anderes und das Tattoo an sich wäre nur noch zum reinen Selbstzweck da und hätte für mich an Wert verloren. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht oder jemand nachvollziehen kann, aber bis jetzt habe ich die Mängel nicht korrigieren lassen. Für mich gehören die kleinen Fehler irgendwie dazu, wie im es im Leben auch ist.

 

Die Studios, in denen ich auf meinen Reisen war

Belgien/ Antwerpen Masty Tattoo
Niederlande/ Rotterdam The Office Electric Tattooing
Österreich/ Wien Jonny Ink Tattoo
Malta/ Marsaskala Dots & Shades Tattoo Studio
Malaysia/ George Town Inked Tattoo Studio – Prangin Mall
Thailand/ Bangkok Hach, hier bin ich überfragt. Ich habe mir auf und um der Khao San Road einige Studios angeschaut und mich für das sauberste und sympathischste Studio entschieden. Ich habe leider keine Ahnung, wie das Studio heißt.
Deutschland/ Hamburg Die älteste Tätowierstube in Deutschland

 

Tattoo-Landkarte

 

Noch mal alle Fotos in groß

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7 Gedanken zu “Tattoos auf Reisen? Warum nicht?

  1. Hi Candy,

    alltäglich sind Tattoosovenirs wirklich nicht. Wobei wenn wir uns die Leute, hier auf Koh Phangan so anschauen, vielleicht ein bisschen.
    Cris überlegt auch sich vor dem Rückflug auf Bali ein traditionelles Tattoo stechen zu lassen. Studio hat er auch schon im Internet gefunden. Wie du aber schon beschrieben hast. Nicht nur der Internetauftritt oder die Kommentare müssen stimmen. Es ist eine Frage der Sympathie. Jedes Tattoo ist eine Erinnerung, ein Lebenlang. Das sollte jedem bewusst sein. Und es hat für jeden eine andere Bedeutung.
    Hätten wir den Text nicht gelesen, hätten wir eher getippt dein Kleeblatt sei aus Irland. 🙂

    Liebe Grüße
    Pia & Cris

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    • 🙂 Haha, ja das gute alte Koh Phangan Tattoo – ich hoffe, davon ist Cris verschont geblieben?! Hach, Koh Phangan, so ein schöner Ort. Gefällt´s euch da?
      Sympathie ist sooooo, sooooo wichtig bei einem Tätowierer. Da können die Internetseite und die schon gestochenen Tattoos noch so gut aussehen. Wenn die Sympathie nicht stimmt und man kein gutes Gefühl hat, sollte man es lassen.
      Viele denken, dass das Kleeblatt aus Irland kommt 😉 Beim Stechen lassen habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Erst als mich jemand das erste Mal fragte, ob es was mit Irland zu tun hat, ist mir das aufgefallen 🙂

      Liebe Grüße aus Peru
      Candy

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  2. Ich persönlich würde es nicht tun, weil der Tätowierer dann nicht mehr so leicht „greifbar“ (für Fragen oder Probleme) ist ,wenn man wieder zu Hause ist. Aber grundsätzlich spricht ja nichts dagegen wenn das Studio einen sauberen Eindruck macht und die Chemie zwischen Tätowierer und Kunde stimmt.

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    • Hi Katharina,

      ja, da hast du natürlich vollkommen Recht, dass es schwierig wird den Tätowierer noch einmal zu kontaktieren. Wenn ich wirklich etwas verbessern lassen wollen würde, würde ich dann zu „meinem“ Studio gehen.

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  3. Hey,

    bin gerade auf deinen Artikel gestoßen. Ich habe denselben Tick und bringe mir aus jedem Land Kühlschrankmagneten mit. Inzwischen ist der Kühlschrank ganz schön vollgepappt:)
    Ich habe zwar schon so einige Tattoos, aber vielleicht sollte ich auch langsam damit anfangen mir welche in fremden Ländern stechen zu lassen 😀

    Liebe Grüße und weiterhin gute Reise

    Dennis

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  4. Danke für den schönen Beitrag! In Penang habe ich mich auch tätowieren lassen, allerdings bei Skin Nation. Das war schon lange überfällig, da ich endlich den noch freien Arm angehen wollte. Hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die konnten schöne Dot-Styles.

    Jetzt triggert dieser Beitrag glatt den Wunsch meinen Arm weiter bearbeiten zu lassen. Ein Glück steht die nächste Weltreise gerade an. Wobei ich fast glaube, dass ich die nächste Session wieder in Penang angehe.

    Gute Zeit dir!

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