Was ist eigentlich dieses „Workaway“?

Teeplantagen nahe Tanah Rata

Hast du dieses Wort schon einmal gehört? Workaway? Hört sich komisch an, oder? Nimmt man es mal wortwörtlich unter die Lupe, besteht es aus zwei Wörtern: „work“ und „away“. Übersetzt heißt es so viel wie „Arbeit“ und „weg“, woanders zu arbeiten, auswärts oder entfernt zu arbeiten.

Workaway ist eine Internetplattform, die über alle Ländergrenzen hinweg Arbeit-Suchende und Arbeit-Habende zusammen bringt, ganz ohne Geldfluss. Man arbeitet für eine kostenlose Unterkunft, je nach Angebot des Arbeit-Habenden ist auch Verpflegung oder ein Teil der Verpflegung, z.B. ein Mittagessen, mit im Paket. Manchmal sogar auch ein kleines Taschengeld.

Die Angebote sind ganz unterschiedlich, man kann in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten: in Hostels aushelfen, in Schulen Englisch unterrichten, Nanny auf Zeit sein, sich um Hunde oder andere Tiere kümmern, auf einer Öko-Farm mithelfen, Unterkünfte oder andere Gebäude bauen, Social-Media für irgendwen übernehmen.

Für mich persönlich kommt das Arbeiten mit Kindern nicht in Frage. Zum einen bin ich dafür viel zu sensibel, zum anderen stehe ich dem kurzweiligen Helfen gerade von armen Kindern eher skeptisch gegenüber. Ich bezweifle, dass man ihnen Gutes tut, wenn man sich in drei oder vier Wochen in ihre Herzchen schleicht bis sie sich wohl fühlen und dann einfach so verschwindet. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für ein paar Stunden Arbeit am Tag, meist so um die vier bis sechs, bekommt man eine Unterkunft entweder im Einzel- oder Mehrbettzimmer und eventuell noch Essen.

Klingt einfach, oder? Ist es auch!

Es ist eine tolle Möglichkeit günstig andere Länder, deren Kulturen und Menschen kennenzulernen. Wenn man nicht gerade bei einem Landsmann im Ausland arbeitet, ist man so täglich mit Einheimischen zusammen, lernt die Sprache, die Denkweisen, was sie bewegt und die Unterschiede zur eigenen Kultur. Workaway eignet sich fantastisch für Menschen, die Zeit und Lust aufs Reisen und das Kennenlernen von anderen Kulturen haben, aber vielleicht nicht so viel Geld ausgeben können oder wollen.

Auf workaway.info befinden sich derzeit über 24.000 (!) Hosts, also Leute, die Arbeit haben, in 155 Ländern. Um Kontakt zu den Hosts herstellen zu können, muss man sich bei Workaway registrieren.

Die Registrierung ist super einfach, man legt sich ein Profil an, ähnlich wie bei Facebook, berichtet über sich selbst, was man kann und einbringen will, wo man gerne arbeiten möchte und wann. Die Registrierung kostet allerdings Geld. Um das Portal ein Jahr nutzen zu können, bezahlt man 29$. Auf den ersten Blick viel Geld. Verrechnet man es aber beispielsweise mit einem dreiwöchigen Aufenthalt, in dem man keine Unterkunftskosten zahlen muss, lohnt es sich in jedem Fall. Man hat auch die Möglichkeit sich als Paar anzumelden, wobei Paar nicht ein Liebespaar sein muss, sondern auch Freunde, die eine Zeitlang zusammen reisen. In dem Fall bezahlen beide zusammen 38$. Das Profil solltest du auf Englisch verfassen, sodass es jeder verstehen kann. Je mehr Infos du gibst, desto besser kann sich ein Host ein Bild von dir machen, spare also nicht an Informationen, schreibe aber auch keine Romane.

Und dann kann es auch schon los gehen.

Man kann die Hosts nach Land, Region und Stadt filtern. Für diejenigen optimal, die genau wissen, wo sie gerne hin würden. Man kann aber auch nach Arbeitsbereich filtern. Wenn man gerade in Südamerika ist, sich aber noch nicht für einen bestimmten Ort oder ein bestimmtes Land entschieden hat, dann sucht man einfach nach dem Arbeitsbereich, beispielsweise Bauernhof oder Herberge. Sprich, es werden dann alle Hosts in Südamerika aufgeführt, die Arbeit auf dem Bauernhof oder in der Unterkunft (Hostel, Hotel, etc.) selbst anbieten.

Teeplantagen nahe Tanah Rata

Mein erstes Mal in Tanah Rata

Das Selektieren ist für mich persönlich immer schwierig. Am liebsten würde ich überall mal reinschnuppern, alles einmal ausprobieren, aber das geht ja nun leider nicht. Ich schau mir immer die Arbeit an sich an, also was die Hosts von mir erwarten und was sie dafür bieten. Manche Hosts verlangen sieben Stunden Arbeit an sechs Tagen in der Woche. Auf so ein Angebot gehe ich nicht ein, das finde ich dann doch etwas übertrieben für einen Schlafplatz im Mehrbettzimmer. Normalerweise arbeitet man so vier bis fünf Stunden an fünf Tagen – das ist vollkommen akzeptabel. Bei der Auswahl helfen auch Bewertungen von Reisenden, die schon mal bei dem Host gearbeitet haben. Wenn es noch keine Bewertungen gibt, heißt das aber noch lange nicht, dass der Host schlecht ist. Vielleicht ist er einfach nur neu.

Und nun zu meiner ersten Workaway-Erfahrung

Das erste Mal Workaway war für mich in Malaysia. In den Cameron Highlands habe ich zwei Wochen in einem Hostel gearbeitet. Und ich war hellauf begeistert! Das Hostel an sich und die Leute waren einfach nur der Kracher! Das Hostel lag etwas außerhalb des kleinen Ortes Tanah Rana mitten im Grün. Jeden Abend gab es ein Lagerfeuer, tagsüber konnte man sich in die Hängematten lümmeln, mit den fünf Hunden spielen, in Tanah Rata rumbummeln oder einen der zahlreichen Wanderwege ausprobieren. Der Eigentümer überließ die gesamte Hostelarbeit mehreren Workawayern. So waren wir meist zu sechst oder siebent und haben das Hostel gerockt.

Chiara - mein Lieblingshund

Chiara – mein Lieblingshund

Die Arbeit fing 10.00h mit Betten beziehen und putzen (ja auch Klos) an und endete gegen 13.00h mit Holz hacken für´s allabendliche Lagerfeuer. Je nachdem wie viele Leute kamen bzw. gingen, hatten wir es mal früher, mal später geschafft. Wir übernahmen das Ein- und Auschecken der Gäste, kümmerten uns um sie und abends hatte man dann abwechselnd die Schicht an der Bar. Den Nachmittag hatte man theoretisch zur freien Verfügung. Wir mussten uns immer absprechen, da der Eigentümer selten vor Ort war und somit immer jemand im Hostel sein musste. Ein wenig Diskussionspotential brachte das schon mit sich, aber das Gelände bzw. das Hostel an sich ist so schön, dass das eigentlich nie ein Problem darstellte.

Im Gegenzug bekam ich ein kostenloses Bett, günstiges Bier und ab und zu brachte der Eigentümer oder einer seiner zahlreichen Freunde auch Essen für uns Workawayer mit. Es war eine ganz tolle Erfahrung! Die Familie und die Freunde des Eigentümers waren abends oft dort, feierten die wildesten Partys und nahmen jeden in ihre Mitte auf, egal ob Gast oder Workawayer. Ich lernte viele liebe Menschen kennen, die Gäste, Freunde oder Workawayer waren und konnte an meinem freien Tag die zahlreichen Tipps, die ich von allen bekam, testen. Auch das ist ein Vorteil, wenn man länger an einem Ort ist und viel mit den Menschen dort zu tun hat: Man bekommt Tipps, die man sonst nicht bekommen hätte, macht Sachen, die sonst nur wenige kennen, weiß schnell, wo es das leckerste und günstigste Essen gibt und bei wem man einen Besuch eher meiden sollte.

Pilze essen am freien Tag

Pilze essen am freien Tag

Die erste Workaway-Erfahrung kann aber auch ganz anders aussehen. So flüchteten Cris und Marie aus ihrer Finka in Mexiko. Die im Nachhinein hoffentlich witzige Geschichte dazu findest du auf ihrem Blog worldonabudget.de.

Man muss sich also darüber im Klaren sein, dass es klappen kann, aber nicht muss. Wie im richtigen Leben bzw. Job auch. Und wenn´s nicht klappt, dann geht man halt. Einfach, oder?

Zusammengefasst kann ich Workaway nur empfehlen! Eine super Möglichkeit zu reisen, die Fremde kennenzulernen, auch mit einem kleinen Budget. Auch Tanha Rata und das Hostel „De Native“ kann ich nur empfehlen, egal ob als Gast oder Workawayer!

Wenn du wissen möchtest, was das Reisen so in verschiedenen Ländern kostet oder wie man sich längere Reisen finanzieren kann, dann schau doch mal auf der Seite Finanzen vorbei.

 

Falls du auch schon mal Workawayer warst, dann erzähl mir doch von deiner Erfahrung oder poste den Link zum Bericht in den Kommentaren. Ich würde gerne noch mehr Erfahrungsberichte lesen, die sind immer so spannend.

 

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12 Gedanken zu “Was ist eigentlich dieses „Workaway“?

  1. Hallo Candy,
    schöner Artikel. Ich kann mir gut vorstellen, dass du tolle Erfahrungen als Workawayer gesammelt hast. Ich selber habe in Australien Wwoofing gemacht, das ist meiner Meinung nach eigentlich das Gleiche, nur halt über eine andere Website / Organisation und die Arbeit beschränkt sich mehr auf Farmen und Ähnliches. Ich hatte damals auch eine richtig coole Zeit bei meiner Gastfamilie im Outback. Ich habe vor bald einen langen Artikel darüber zu schreiben, bis jetzt gibt es in meinem Blog nur einen kleinen Eindruck darüber: http://blog.workntravel.info/mein-reiseflop-und-reisetop-in-australien/
    Workaway werde ich mir definitiv als Alternative zum Wwoofing merken, weil man eben auch in anderen Bereichen als nur auf Farmen etc. arbeiten kann. 🙂
    LG Johanna

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  2. Hallo liebe Candy! Das ist auf jeden Fall eine sehr reizvolle Idee mit workaway. Aber: Nimmt man da nicht, theoretisch zumindest, Einheimischen potentielle Arbeit weg? Ich meine, für uns ist es ein echter Gewinn, im Urlaubsland nichts für die Unterkunft bezahlen zu müssen und, als eine wertvolle Erfahrung, in Kontakt mit der Bevölkerung treten zu können. Doch es ist ein Luxus für jemanden wie uns. Ein Einheimischer Arbeiter würde nicht nur Logis, sondern auch Geld für seine Arbeit haben wollen… Wie gesagt ich war hellauf begeistert – und dann kamen die Bedenken. Hattest du diese auch schon? 😊 liebe Grüße und weiterhin viele schöne Erfahrungen / Kasia

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  3. Hi Kasia,

    diese Gedanken hatte bzw. habe ich auch, ja. Vielen Dank, dass du diese hier mit einbringst! Und um es vorweg zu nehmen, ich bin mir nicht sicher, ich weiß es nicht. Es ist wohl abhängig vom Projekt. Also ist meine Antwort vielleicht Jain.

    Bei bestimmten Projekten wie z.B. beim Aufbau von Gebäuden, bei Gartenarbeit oder dekorativen Arbeiten bin ich mir fast sicher, dass die Hosts das auch ohne einheimische Hilfe machen würden, einfach, weil sie es sich nicht leisten können dafür jemanden einzustellen. Diese Projekte würden dann wohl einfach länger dauern ohne Freiwillige oder nicht durchgeführt werden.
    Ähnlich sehe ich es bei den Hosts, die Hilfe mit dem PC/ Marketing suchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich diese Kompetenzen erkaufen können.
    Viele Hosts sind auch Familien, die eine Fremdsprache lernen wollen – auch da nehmen die Workawayer den Einheimischen nichts weg – würde ich jetzt so sagen.

    Was ich von kurzweiligen sozialen Projekten, gerade mit Kindern halte, habe ich ja schon im Beitrag erwähnt. Obwohl in diesen Bereichen wohl niemand eingestellt werden würde und es doch ein klitzekleines bisschen gut ist, dass manche versuchen wollen armen Familien zu helfen, also so vom Grundansatz.

    Nun kommen wir mal zur Hostelarbeit: da ist wohl der Knackpunkt. In dem Hostel, in dem ich in Malaysia gearbeitet habe, hat der Eigentümer gesagt, er könne das Hostel gar nicht ohne Workawayer halten, ohne diese Hilfe seine große Familie nicht durchbringen. Ob es stimmt? Ich weiß es nicht! Ich habe es auch schon erlebt, dass Hosts in ihren Unterkünften Hilfe suchen, weil sie sich keine Arbeiter leisten konnten, aber andere Projekte verfolgen wollten mit der Zeit, die sie durch die Hilfe bekommen oder diese mehr mit ihren Familien verbringen wollen.
    Bei einigen Angeboten, gerade von großen Hostelketten, die auch mehrere Standorte haben, hast du vollkommen Recht, da nehmen die Workawayer den Einheimischen die Arbeit weg.

    Leider erkennt man bei den Angeboten nicht immer im Vorhinein, ob es sich um ein gutes Projekt bzw. einen guten Host oder einen „schlechten“ handelt, bei dem man einem Einheimischen die Arbeit weg nimmt.

    Ich versuche das bei meiner Auswahl zu beachten. Wenn ich beispielsweise lese, dass ein Hostel drei Standorte hat, bewerbe ich mich da nicht drauf. Ähnlich bei Angeboten, die 8 Stunden Schichten verlangen. Ich kann nur hoffen, dass ich noch niemandem bezahlte Arbeit weggenommen habe, weiß es aber leider nicht.

    Was sagst du dazu? Lehnst du Workaway denn aufgrund dessen kategorisch ab?

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    • Ich lehne es nicht ab, vielmehr empfinde ich es als spannend ich würde auch gerne selber machen 😊 nur wollte ich damit nicht etwas „falsches“ tun oder zu einem Unrecht beitragen. Arbeit mit Kindern: Da gebe ich dir vollkommen recht, wenn man sich für ein solches Projekt engagieren möchte dann längerfristig. Ansonsten scheint das Thema bisher zu differenziert zu sein um pauschal ja oder nein sagen zu können, das kann ich auch nicht. Schön dass du die Augen offen hältst, was das Thema betrifft! 😊 Wie gesagt: Das spannendste an anderen Orten sind für mich die Menschen und da würde es mich schon reizen eine Kultur, Gewohnheiten und das Miteinander besser zu verstehen und das scheint eine schöne Möglichkeit dafür zu sein 😊

      Gefällt 1 Person

  4. Wir haben Workaway bis dato zwei Mal auf unserer Weltreise genutzt und waren ebenso begeistert. Beim Arbeiten mlt und für unsere Hosts haben wir das Land (in unserem Fall Australien und Hawaii) wieder ganz anders kennengelernt. An beiden Orten haben wir übrigens eine Website erstellt und unsere Gastgeber mit allem möglichen technischen oder grafischen Zeugs unterstützt. Hier könnt ihr ein wenig zu unseren persönlichen Erfahrungen lesen:

    http://tastytale.com/warum-man-den-teller-auch-mal-verlassen-muss/

    und unter

    http://tastytale.com/gesund-aus-leidenschaft-so-isst-donna/

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